Den ersten Tag hatte ich 8 Stunden Power-Schulung, weil ein Update der Unternehmenssoftware ansteht und ich die Key-User bei den Tests unterstützen soll. Aber bis dahin habe ich ja erst mal „nichts zu tun“ und bekomme die Aufgaben, die in letzter Zeit jeder andere vor sicher hergeschoben hat.
Aber ich würde es wohl genauso machen.
Jeder in dieser EDV-Abteilung muss die Termine einhalten, die andere gesetzt haben.
Also werde ich es machen wie alle. Ich tue was ich kann und zucke mit den Schultern, wenn irgendetwas liegen bleibt.
Irgendwann kommt ein Neuer und der hat dann erst mal Zeit …
Der Neue hat Zeit …
10.10.2009 · 3 Kommentare
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Lebensmittelpunkt
06.10.2009 · 13 Kommentare
Wo wohnst Du?
Tja, äh, also nun …
Wie beantworte ich diese Frage ohne zu lügen und ohne mich zu verhaspeln?
Ich habe eine Wohnung in der Nähe Stuttgarts, die ich vor wenigen Tagen zu Ende 2009 gekündigt habe. Mein Vermieter bietet sie nun zum 01.01.2010 bei verschiedenen Wochenblättern und Arbeitgebern an. Falls ich einen Nachmieter liefere, muss ich nicht bis Dezember bezahlen, aber wenn er vor mir einem Mieter zusagt bezahle ich bis zum Schluss.
Am 08.10.2009 beginne ich bei meinem neuen Arbeitgeber in der Nähe Ulms. Sehr kurzfristig. In der ersten Nacht schlafe ich in einer Pension (wenn ich in den nächsten zwei Stunden eine Zusage für das Zimmer bekomme). Von Donnerstag auf Freitag kann ich bei einer Freundin unterkommen, von deren Wohnort ich nur 40 Minuten mit dem Zug unterwegs bin. Die 3 km zum Bahnhof komme ich mit ihrem Fahrrad. Wäsche muss ich aber schon mal für 2 Wochen mitnehmen, denn am Freitag fahre ich zu meiner Freundin in der Nähe Bruchsals. Sonntag Abend gehts dann wieder Richtung Ulm.
Einen Nachmieter kann ich erst suchen, wenn ich dort eine Wohnung habe. Ohne Auto sollte sie aber nicht zu weit vom Arbeitsplatz entfernt und mit öffentlichem Nahverkehr gut angebunden sein.
Im Internet hatte ich eine tolle Wohnung gefunden, einen Tag vor der Besichtigung rief mich der Vermieter jedoch an, er habe sie einem Gehörlosen versprochen.
Eine andere gefiele mir auch, doch diese ist erst ab Januar frei.
Für eine andere fallen 2,38 Kaltmieten an Provision an, da ich jedoch schon Unterhalt für meinen Sohn bezahle, möchte ich nicht auch noch einem übergewichtigen Immobilienmakler die Steuer für seinen fetten, hässlichen Geländewagen finanzieren.
In dem Ort selbst hätte ich den geringsten finaziellen und zeitlichen Aufwand mit der Fahrerei, allerdings sind dor die Wohnungen teurer. Zudem liegt der Ort in einem Tal, so dass ab Nachmittag sehr früh keine Sonne mehr zu sehen ist.
Am Feierabend auf dem Balkon sonnen? Pustekuchen!
Wann räume ich meine „alte“ Wohnung in Kisten?
Wie komme ich die nächsten Wochen und Monate ins Internet?
Wo ist meine Bank?
Wo steht meine Waschmaschine?
Wo wohnst Du?
Ich habe keinen Schimmer …
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Der Mühlhiasl
02.10.2009 · 5 Kommentare
Sechs Tage vor dem Anfang in einer neuen Firma befinde ich mich im letzten Drittel meines ersten Urlaubs mit meiner Traumfrau.
Sie steht mir bei, wenn mich der Bayerwald zu verschlingen droht.
Nein, ich möchte nicht jammern, denn es ist wirklich schön und sehr erholsam hier. In der Bar ist man auch ungestört, wenn sich außer uns noch zehn andere an den Tischen unterhalten, denn das unverständliche Genuschel kann nicht von der eigenen Unterhaltung ablenken.
Wohlgemerkt, ich bin kein Fischkopf! Ich habe seit 1983 über 25 Jahre in unterschiedlichen Gegenden Bayerns gelebt und hätte bis gestern abend behauptet, ich verstünde alle Bayern. Jetzt muss ich zugeben, es gibt mindesten drei Männer, bei denen ich außer „ja freilich“ (eingedeutscht) kein Wort verstehe.
Auch bei der Besichtigung der berühmten „Gläsernen Scheune“ stand SIE mir zur Seite.
Schon der Nachsatz im Prospekt hätte mich misstrauisch machen müssen.
„Bekannt aus Funk und Fernsehen!“
Bei der Werbung mit dem Zigarettencowboy, der lila Kuh oder dem Toilettenpapierbär hat dieser Hinweis jeweils gefehlt. Wozu sollte er auch gut sein? Wenn mir etwas aus Funk und Fernsehen bekannt ist, muss mir niemand sagen, dass es mir aus Funk und Fernsehen bekannt ist, denn schließlich ist es mir ja aus Funk und Fernsehen bekannt.
Die „Gläserne Scheune“ kannte ich nicht.
Doch ich werde sie nicht vergessen!
Ein bayerwälder „Künstler“ sah sich bemüßigt, lokale Mythen um den „Mühlhiasl“ (In deutsch: Mühlen-Matthias) mit Bleistift und anderen Werkzeugen auf die Scheiben einer Scheune zu malen.
Erklärt wurden diese Werke von einer Frauenstimme aus einem Tonband.
Der Tonfall erinnerte mich an die Erzählerinnen aus den Märchengärten meiner Jugend. Dort ging man auf Trampelpfaden von einem kleinen Häuschen zum nächsten, drückte dort auf einen Knopf und schon begannen die Figuren dort quietschend und ratternd mit Armen und Köpfen zu wackeln, dass man sie am liebsten sofort von ihrem harten Los erlöst hätte.
Das schlimmste war jedoch immer die Stimme der Erzählerin, die mit einem sprach, als sei man ein kleines Kind, dabei war ich doch schon zehn!
Nun weiß ich wohin es diese Frau verschlagen hat.
Und sie hat die 30 Jahre genutzt, um Bayrisch zu lernen.
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In Lohn und Brot
23.09.2009 · 3 Kommentare
„… würden wir uns freuen, Sie in unserem Hause zu einem Vorstellungsgespräch begrüßen zu dürfen.“
Na also! Das hatte ich schon lange nicht mehr gehört!
Nicht, dass ich Komplexe bezüglich meiner Fähigkeiten hätte, aber so ein paar Monate Arbeitslosigkeit zehren an den Nerven.
Der Leiter des EDV-Abteilung und eine Mitarbeiterin vom „Personal“ sitzen mir gegenüber.
Es kommen die „üblichen“ Fragen.
- Was sind ihre Stärken und ihre Schwächen?
- Wie gehen Sie mit Druck um?
- Wie gehen Sie an ein Projekt ran?
- …
„Sie hören in den nächsten beiden Wochen von uns …“
Das Gespräch verlief gut und ich mache mir Hoffnungen.
Am nächsten Tag kommt eine Email: „… haben unser Interesse geweckt … würde in einem weiteren Gespräch gerne noch einige Frahen klären …“
Heute also das zweite Gespräch.
Nochmal ein gegenseitiges Abklopfen, wobei mir heute vier Personen gegenüber sitzen.
Geschäftsführer, Personalverantwortliche, Abteilungsleiter und langjähriger Mitarbeiter.
Angenehmes Gespräch, einige formelle Fragen, Gehalt geklärt.
Mit der Email mit Wohnungsangeboten aus der Region noch mal der Dank für das „angenehme Gespräch“ das als „sehr positiv“ empfunden wurde.
Arbeiten ist schön …
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„Total“ oder „Eine ganz normale Bahnfahrt“
24.08.2009 · 10 Kommentare
Die junge Dame mit vorstehender Unterlippe und herabhängenden Mundwinkeln liest konzentriert in der aktuellen Ausgabe „Das neue Echo der Frau mit Herz von Heute im Spiegel“ (Vielleicht war es auch eines der anderen Blätter, deren wichtigstes Interpunktionszeichen das Fragezeichen ist, um Verleumdungsklagen zu vermeiden).
„Hat Sie ein Alkoholproblem?“
prangt auf einer bunten Seite.
(Diese Frage bezog sich in der aktuellen Ausgabe auf eine bestimmte Sängerin, diese Sentenz wird jedoch sicher als Textbaustein gespeichert, da sie ohne Anpassung später noch für diverse Schauspielerinnen, Girlies oder Prinzessinnen verwendet werde kann.)
Neben den Fragezeichen gibt es auch noch Text.
Wenig – Sehr wenig!
Und große Bilder!
Über einer anderen Seite lautet die Headline
„Wasserspiele„
Ebenfalls wenig Text neben einem großen, jedoch etwas körnigen Bild.
(Klar! Was soll man auch sonst zu einem Bild schreiben, das – auch für einen Hobbyfotografen offensichtlich – mit einem Extrem-Tele-Objektiv aufgenommen wurde und das eine Prominente zeigt, deren Brustwarzen sich durch ihr nasses Oberteil drücken?!)
Im kleinen Textblock genügen schon eine kurze Angabe zur Person des Promis und der Name des Ferienortes.
Vier ältere Herrschaften betreten den Zug und setzen sich. Sie kommen von einer größeren Wanderung (Interpretation meinerseits, aufgrund der Wanderschuhe, Kniebundhosen, Rucksäcke und ihrer körperlichen Verfassung).
Die beiden Damen setzen sich in die Mitte und werden von den Herren eingerahmt.
Sie1: Fährd der Zug bis Konschdanz durch?
Er1: I wois ned.
Sie1: Oder bloibd er in Stuagart?
Er1: I wois doch nedda!
Sie1: No missä mir halt den Schaffner frage. Wann kummt der?
Er1: I wois ned.
Sie1: Immer wenn ma den Schaffner brauchd, kummt er ned.
Er1: Mmh.
Sie1: (zu ihrer Nachbarin) Woisch, wenn ma uf dr Schaffner wartet, kummt er ned.
Sie2: Ja, genau!
Sie1: Aber wenn ma dr Schaffner ned brauchd, dann kummt er.
Sie2: Stimmt!
Sie1: Kennsch des au?
Sie2: Ja, total.
Sie1: (zu ihm) Hosch Du unsre Tickets?
Er1: Ja.
Sie1: Bisch dir au sicher?
Er1: Ja!
Sie1: Siehsch?! Da kemma lang uf’n Schaffner warte.
Sie2: Freilich! Wenn ma uf die wartet, kumme se ned.
Er2: (verdreht die Augen zur Decke und schweigt mit verkniffenen Lippen)
Die jetzt folgende peinliche Stille wird etwas durch das fröhlich-aufgeregte Gegacker einiger Prosecco-Lerchen aus dem Nachbarwagon aufgelockert.
„Amy total einsam in London“
(Sind die Londoner alle im Urlaub? Zumindest mein Cousin sollte zuhause sein, doch dieser hat klassische Musik studiert und vielleicht fehlt deshalb eine gemeinsame Basis für längere Gespräche. Ich sollte mich mal wieder bei ihm melden. Sicher ist er auch total einsam in London.)
„Heidi ist total im Stress“
(Was soll ich dazu sagen? Mir wäre es auch lieber gewesen, sie hätte auf die eine oder andere Aktivität verzichtet, z.B. Germany‘s Next Topmodel)
„Sie will Jackos Kinder“
(Es war wohl eine seiner Schwestern gemeint, aber es kommen noch ein paar andere Frauen in Frage)
„In die Psychiatrie eingewiesen“
(Interessiert mich nicht. Ich kenne diesen Typen nicht einmal)
Die hochbrisanten Informationen prallen auf die junge Leserin, die jedoch nicht mit der Wimper zuckt
Umfragen der Woche:
„Hätte Sarah die Finger von Diego lassen sollen?“
„Traust du Robbie ein erfolgreiches Comeback zu?“
„Nimmt sich Megan zu viel raus“
(Ich werde gespannt auf die repräsentativen Ergebnisse warten, die sicher auch in den Nachrichten veröffentlicht werden.)
Sie1: (zu ihrer Nachbarin) Woisch, Früher heds viel mee Schaffner gebn.
Sie2: Ja, genau!
Sie1: Heid gibts viel weniger.
Sie2: Ja, total!
Ich bin hin und her gerissen, wohin ich meine Aufmerksamkeit lenken soll, doch plötzlich fällt mir die Entscheidung sehr leicht:
In der Zeitschrift der jungen Dame ist auf einem großen Bild zu erkennen, wie Jennifer Lopez an ihrem Kleidchen nestelt, weil sich ihre Haare in einem Knopf verfangen haben. Ich beginne meine Chancen zur Flucht abzuwägen, wenn ich der Frau am nächsten Bahnhof die Zeitschrift entreiße und aus dem Zug stürze …
Die junge Dame mit vorstehender Unterlippe und herabhängenden Mundwinkeln liest konzentriert in der aktuellen Ausgabe „Das neue Echo der Frau mit Herz von Heute im Spiegel“ (Vielleicht war es auch eines der anderen Blätter, deren wichtigstes Interpunktionszeichen das Fragezeichen ist, um Verleumdungsklagen zu vermeiden).
„Hat Sie ein Alkoholproblem?“ prangt auf einer bunten Seite (Diese Frage bezog sich in der aktuellen Ausgabe auf eine bestimmte Sängerin, diese Sentenz wird jedoch sicher als Textbaustein gespeichert, da sie ohne Anpassung später noch für diverse Schauspielerinnen, Girlies oder Prinzessinnen verwendet werde kann.)
Neben den Fragezeichen gibt es auch noch Text.
Wenig (Sehr wenig).
Und große Bilder!
Über einer anderen Seite lautet die Headline „Wasserspiele“
Ebenfalls wenig Text neben einem großen, jedoch etwas körnigen Bild.
Klar! Was soll man auch sonst zum Bild einer Prominenten schreiben, deren Brustwarzen sich durch ihr nasses Oberteil drücken und das (auch für einen Hobbyfotografen offensichtlich) mit einem Extrem-Tele-Objektiv aufgenommen wurde.
Im kleinen Textblock genügen schon eine kurze Angabe zur Person des Promis und der Name des Ferienortes.
Vier ältere Herrschaften betreten den Zug und setzen sich. Sie kommen von einer größeren Wanderung (Interpretation meinerseits, aufgrund der Wanderschuhe, Kniebundhosen, Rucksäcke und der körperlichen Verfassung). Die beiden Damen setzen sich in die Mitte und werden von den Herren eingerahmt.
Sie1: Fährd der Zug bis Konschdanz durch?
Er1: I wois ned.
Sie1: Oder bloibd er in Stuagart?
Er1: I wois doch nedda!
Sie1: No missä mir halt den Schaffner frage. Wann kummt der?
Er1: I wois ned.
Sie1: Immer wenn ma den Schaffner brauchd, kummt er ned.
Er1: Mmh.
Sie1: (zu ihrer Nachbarin) Woisch, wenn ma uf dr Schaffner wartet, kummt er ned.
Sie2: Ja, genau!
Sie1: Aber wenn ma dr Schaffner ned brauchd, dann kummt er.
Sie2: Stimmt!
Sie1: Kennsch des au?
Sie2: Ja, total.
Sie1: (zu ihm) Hosch Du unsre Tickets?
Er1: Ja.
Sie1: Bisch dir au sicher?
Er1: Ja!
Sie1: Siehsch?! Da kemma lang uf’n Schaffner warte.
Sie2: Freilich! Wenn ma uf die wartet, kumme se ned.
Amy total einsam in London (Sind die Londoner alle im Urlaub? Zumindest mein Cousin sollte zuhause sein, doch dieser hat klassische Musik studiert und vielleicht fehlt deshalb eine gemeinsame Basis für längere Gespräche. Ich sollte mich mal wieder bei ihm melden. Sicher ist er auch total einsam in London.)
Heidi ist total im Stress. (Was soll ich dazu sagen? Mir wäre es auch lieber gewesen, sie hätte auf die eine oder andere Aktivität verzichtet, z.B. Germany‘s Next Topmodel)
Sie will Jackos Kinder (Es war wohl eine seiner Schwestern gemeint, aber es kommen noch ein paar andere Frauen in Frage)
In die Psychiatrie eingewiesen (Interessiert mich nicht. Ich kenne diesen Typen nicht einmal)
Die hochbrisanten Informationen prallen auf die junge Leserin, die jedoch nicht mit der Wimper zuckt
Umfragen der Woche:
Hätte Sarah die Finger von Diego lassen sollen?
Traust du Robbie ein erfolgreiches Comeback zu?
Nimmt sich Megan zu viel raus?
Ich warte gespannt auf die repräsentativen Ergebnisse, die sicher auch in den Nachrichten veröffentlicht werden.
Sie1: (zu ihrer Nachbarin) Woisch, Früher heds viel mee Schaffner gebn.
Sie2: Ja, genau!
Sie1: Heid gibts viel weniger.
Sie2: Ja, total!
Ich bin hin und her gerissen, wohin ich meine Aufmerksamkeit lenken soll, doch plötzlich fällt mir die Entscheidung sehr leicht:
In der Zeitschrift der jungen Dame ist auf einem großen Bild zu erkennen, wie Jennifer Lopez an ihrem Kleidchen nestelt, weil sich ihre Haare in einem Knopf verfangen haben. Ich beginne meine Chancen zur Flucht abzuwägen, wenn ich der Frau am nächsten Bahnhof die Zeitschrift entreiße und aus dem Zug stürze …
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Translokation
14.07.2009 · 17 Kommentare
Ich betrat die noch fast leere Turnhalle und legte meine Sachen auf die Gymnastikmatte, die ich im Geräteraum organisiert hatte. Gleich links an der Wand hatte ich mir mein Plätzchen gesucht.
Später am Abend kehrte ich zurück, um die Nacht dort zu verbringen.
Ich fand meine Matte mitten in der Halle vor.
Nicht dass ich keinen Platz gehabt hätte, aber ich hätte erwartet, dass man mich fragt, ob man meinen Platz haben könne.
Zunächst dachte ich, es sei schließlich egal, wo ich schlafe, andererseits sah ich nicht ein, diese Unverschämtheit unkommentiert zu lassen. Da ich jedoch nicht unnötig ausfallend werden wollte, beschloss ich noch einige Male tief durchzuatmen.
Einer jungen Frau in der Nähe schilderte ich den Sachverhalt und fragte sie, was sie davon hielte. Sie fragte mich, ob ich sicher sei, die Matte nicht dorthin gelegt zu haben, wo ich diese auffand.
Welch eine Frage!
Natürlich war ich sicher! Schließlich hatte ich meine Sachen an eine Wand gelegt und jetzt befanden sie sich mitten in der Halle.
Ich malte mir schon aus, die schon schlafende Person auf meinem ursprünglichen Platz an der Wand mitsamt der Matte in die Mitte zu ziehen und „meinen“ Platz wieder zu erobern, als die junge Frau fragte, ob in der Turnhalle am Nachmittag nicht eine Trennwand herunter gelassen war …
…
Tja, wenn ich es recht überlege, sah die Halle am Nachmittag etwas kleiner aus …
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Offenbarung
09.07.2009 · 2 Kommentare
Er wollte ehrlich mit sich sein – schonungslos. Doch nicht zu lügen, war noch keine Ehrlichkeit.
Durch jahrelange Übung verstand er es, schmerzhafte Fragen zu übersehen oder Antworten zu geben, die keine waren. Solange Fragen und Antworten nur Druckveränderungen in der Umgebungsluft waren und keine sichtbaren, beweisbaren Veränderungen hervorriefen, konnte er sich glauben machen, die Fragen seien andere gewesen oder man er habe etwas anderes geantwortet.
Andere mussten das nicht glauben. Es genügte, wenn er es glaubte.
Erinnerungen waren nicht objektiv und zuverlässig. Sie lebten und veränderten sich. Und mit ihnen wandelten „Wahrheiten“ ihr Gesicht wie die Wolken bei einem Gewitter.
Er hatte sich darauf eingelassen, eine Inventur zu machen. Sich einige Fragen zu stellen – oder nur eine. Nicht abends vor dem Einschlafen, wo die Geister der Nacht die Gelegenheit hatten, die Erinnerung zu einem feinen Gespinnst zu zerzupfen, das sich unter den unruhigen Bewegungen seines Körpers im Schlaf in einen grauen, steifen Filz verdichtete, in dem das einzelne Filament keine Bedeutung, keine eigene Identität mehr hatte.
Zwei Tage würde er schreiben, was ihm in den Sinn kam. Keine innere Zensur – so hatte er sich vorgenommen – sollte den Fluss der Gedanken hemmen.
Begeistert war er von der Idee gewesen.
Klarheit sollte es ihm bringen.
Erkenntnis.
Doch nun brachte es ihm nur eine difuse Unruhe.
Es gab Menschen, die Angst vor der Fremde hatten. Er beneidete sie. Der Fremde konnte er ohne Anstregung fern bleiben. Doch wie schütze man sich vor seinem Inneren?
Was würde passieren, wenn er den Verschluss des Sicherheitsgefäßes entfernte?
Nur ein kurzer, eiskalter, klebriger Schwall wie bei einer geschüttelten Champagnerflasche?
Oder würde er damit eine Quelle schwarzen, zähen, stinkenden Schlamms entfesseln? Den nicht enden wollende Strom einer Masse, die ihm die Atemwege verschlösse, ihm das Licht und die Luft zu atmen nähme?
→ 2 KommentareKategorien: Das Fass mit dem Deckel
Sie lernen es (vielleicht noch)
08.07.2009 · 11 Kommentare
Bei Aldi und Konsorten gibt es inzwischen regelmäßig Decken in der Größe 220 x 155 cm im Angebot und sogar die passenden Bezüge.
Das Schuhgeschäft, das ich letzte Woche besuchte, führte Schuhe bis Größe 50.
Als ich neulich bei S’Olaf ein Hemd kaufte, entdeckte ich Oberbekleidung bis XXXL (was sogar mir zu groß wäre)
Ein Bett mit 220 cm Länge habe ich schon seit Jahren.
Klar hat es „Übergrößen“ schon früher gegeben, aber nicht ohne mit einem saftigen Aufschlag zur Kasse gebeten zu werden.
Doch für mein Bett habe ich lediglich 10% mehr bezahlt, weil es 10% länger ist. Richtig so!
Es gibt sie also, die Unternehmer, die „die Großen“ endeckt haben. Doch so ganz verstanden haben es noch nicht alle.
Die Tochter meiner Freundin (eine 188er Prachtweib) hat von ihrem Arbeitgeber gesagt bekommen, sie hätten keine extra hohen Schreibtische. (Ich erklärte ihr, dass dieser verpflichtet ist, ihr einen ausreichend hohen Arbeitsplatz zu stellen.)
Aber die Normhöhe für Schreibtische wurde sogar von 75 cm auf 72 cm nach unten korrigiert, weil die EU entdeckte, dass die Portugiesen den Schnitt senken.
Richtig besch… finde ich jedoch, dass mir bei meiner Hochwasseraufräumaktion das Kreuz an einer viel zu niedrigen Küchenspüle abfault …
→ 11 KommentareKategorien: Geärgert
Notunterkunft
06.07.2009 · 2 Kommentare
Während andere Mitbewohner vorübergehend ein Zimmer bei der Gemeinde bezogen haben und andere sich ein Hotel nahmen, bin ich für zwei weitere Tage bei meiner Traumfrau untergeschlüpft.
Das ist eine schöne Entschädigung dafür, dass meine Wohnung – im Gegensatz zu meinem Keller – wasserfrei ist (ich meine damit, es gibt kein Wasser zum duschen, waschen, spülen, Kräuter gießen etc.).
Momentan darf kein Abwasser produziert werden, da sowohl die Kanalisation als auch die Hausabflüsse noch verstopft sind. Erst ab Mittwoch kann ich dann daran gehen, meine aus den Fluten geretteten Schätze zu säubern.
Heute werde ich mich also damit begnügen, für meinen trockenen Schatz zu kochen. Ich glaube ich werde einen gratinierten Blumenkohl machen …
→ 2 KommentareKategorien: Akutes
Ich bin ein Glückspilz!
05.07.2009 · 5 Kommentare
Es gibt eine Reihe von Dingen, die beweisen, dass ich ein Glückspilz bin.
- Die Probleme von Madame Lila habe ich nicht mehr (/edit/ zu entscheiden, was man behält und was man wegwirft)
- Mein Keller ist jetzt leer
- Ich muss ihn nicht selbst reinigen
- Im Winter muss ich keine gebrauchte Kleidung anziehen
- Die Entscheidung, ob ich meine Geo-Hefte verkaufe, entfällt
- Ich habe wieder einen Überblick über mein Hab und Gut
- Mein Fahrrad wurde geputzt
- Ich habe meine externe Festplatte wieder gefunden
- In meinem Keller stand das Wasser nicht 2,5 m hoch, wie in dem meines Nachbarn, denn mein Keller liegt 1,5 m höher.
→ 5 KommentareKategorien: Akutes
