Nedganzbachert - ich steh’ dazu!

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Ebbe

19.08.2008 · Keine Kommentare

Das Wasser scheint lebendig zu werden. Wie Myriaden kleiner Krebse auf unzähligen Beinchen strebt es in alle Richtungen davon. Flüchtet.

Das Boot, das zuvor noch als sicherer Platz und feste Hoffnung erschien, wird erschüttert als sein Kiel sich in den schlammigen Grund bohrt und es kommt mit einem Ruck zum Stillstand. Langsam kippt es zur Seite.

Kleine, braune Inseln tauchen an der Oberfläche auf und wachsen umsichgreifend bis sie sich berühren und miteinander zu einer einzigen öden Fläche verschmelzen.

Das Ziel am Horizont verschwimmt mit dem Watt.

Die Orientierung hat sich klammheimlich davon geschlichen, während der Zweifel und die Angst schmatzend und blubbernd aus der glitschigen Substanz kriecht, die das Boot umgibt.

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Liebliche Schmerzen

17.08.2008 · 2 Kommentare


Irgendwann morgens:
Das heiße Wasser der Dusche prasselt auf meinen Kopf und scheint wie flüssiges Blei meine Haut vom Körper zu ziehen. Ich halte die Luft an um nicht vor Schmerz oder Lust? zu schreien.


Irgendwann beim Essen:
Schon kurz nach dem ersten Bissen des schmackhaften Papayasalates merke ich, wie in mir die Hitze aufsteigt. Schweiß tritt mir auf die Stirn und Tränen in Augen.
Mein Atem ist leicht entzündlich und ich genieße vorsichtig atmend die nächste Gabel dieses Geschmacksfeuerwerks.


Irgendwann im Winter:
Die Kälte beißt in meine unbedeckte Haut als ich das Zelt verlasse. Mein Fuß durchbricht die gefrorene Decke einer Pfütze und helles Klirren durchdringt die eisige Luft. Mein Atem scheint schon wenige Zentimeter vor meinem Gesicht knisternd in den festen Aggregatzustand über zu gehen. Ein Schauer durchläuft meinen Körper als sich die Haare an ihre prähistorische Aufgabe erinnern, mich vor Kälte zu schützen. Kurz darauf scheint dies auch den Muskeln klar zu werden und sie schütteln mich. Ich gebe mich hin.


Nicht Irgendwann - JETZT:
Ein Klammer liegt um meine Brust, ein Ziehen durchlauft meinen Bauch, meine Gedanken verwirren sich, Tränen schleichen sich in meine Augen und ich sehe mich plötzlich im Garten ihres Hauses. Sie mit einem Buch in der Hand auf einem Stuhl, ich liege auf der verwitterten Holzbank, den alten Hund zu meinen Füßen. Die Stimmen der Kinder dringen aus den Fenstern. Sehnsucht.

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Zweifel

11.07.2008 · Keine Kommentare

Schwarze Spinnfäden schweben vor dem Auge. Ungeduldig wische ich sie beiseite. Sie fesseln meine Hände, wickeln sich um meinen Kopf, verdunkeln die Sonne und nehmen mir den Atem.

Angst steigt in mir auf.
Angst und Entschlossenheit.

Nein!
Nicht mit mir!
Nicht ohne Gegenwehr!

Heftig streife ich die Schatten ab.
Tief durchatmen.

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Mit 100 an die Wand

22.06.2008 · 2 Kommentare

Alles läuft rund.
Wie geschmiert reiht sich ein Erfolg an den anderen Glücksfall.
Die Sonne scheint sogar, wenn es regnet.
Er sitzt ganz lässig im Auto und hält das Lenkrad nur mit zwei Fingern.
Und dann kommt er in einem Augenblick unversehens ins Schlingern und touchiert mehrfach die Leitplanken bevor er fast ungebremst in eine Mauer rast.
Er ist schwer verletzt und sieht sich trotzdem erst um, ob jemand diese Peinlichkeit bemerkt hat.
Wen könnte er um Hilfe bitten?
Wem könnte er sein Leid klagen?
Niemand, denn sonst müsste er ja seine eigene Dummheit offenbaren, so leichtsinnig einen Totalschaden produziert zu haben.

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Tot

19.06.2008 · 2 Kommentare

Gestern Abend will ich meine Mails abrufen.
Übertragungsfehler.

Nochmal probieren, Router kontrollieren, Steckverbindungen prüfen, Mist!
Die DSL-Leitung ist tot.
Anruf beim schlecht erreichbaren, aber dafür teuren Telefon-Support.
Ich solle den Router neu starten.
Tue ich, aber vergeblich.
Ich solle einige Daten aus dem Router auslesen, Latenzzeit, Rauschabstand, etc.
Tja, Pech, die wurden gelöscht, als wir dem Router den Strom nahmen.
Ich solle meinen Zugangscode eingeben.
Nun, das geht aber nur mit Internetverbindung …
Die Störung werde in den nächsten zwei bis drei Werktagen bearbeitet.
Meine Leitung steht heute Abend, oder es gibt Ärger!

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Absolutes No Go

06.06.2008 · 5 Kommentare

Da sagt doch diese Göre, Männer mit kurzen Hosen und Sandalen, das ginge garnicht!
“Ein absolutes No Go!”

Bitte? Geht’s noch?

Sie selbst trägt einen Mini, der mir als Gürtel dienen könnten, wenn der Umfang ausreichend wäre.

Hat Sie mich gefragt, wie lang oder kurz ihr Kleidchen sein darf?
Bittet sie sonst Ihre Mutter, ob sie Hosen anziehen darf?
Lässt sie ihren Vater mitreden, welche Schuhe sie von seinem Geld kauft?

Wenn Frauen z.B. ins Casino Baden-Baden gehen, fragt niemand, was sie anhaben.
Männer brauchen auch im Sommer Jacket und Kravatte. Doch das Casino kann ich meiden.

Sollen Männer sich jetzt Kleidervorschriften machen lassen und bei dieser Affenhitze unfreiwillig mit langer Hose und geschlossenem Schuhwerk herumlaufen?

Nicht mit mir!
Jetzt erst recht!
Nur dumm, das ich wegen des Umzugs keine Ahnung habe, wo ich die weißen Socken finden sollte. :-)

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Warnung!

30.05.2008 · 2 Kommentare

Wer heute noch einmal meinen Rechner anfasst ist tot!
Der Einzige allerdings, der in konkreter Gefahr schwebt, ist …

meinereiner.

Drückt mir die Daumen, dass ich heute so weit komme, dass mein gestrenger Herr und Meister (mein meist schlechtes - Gewissen) mir vielleicht morgen wieder erlaubt, den Rechner einzuschalten.

Oh Scheiße, er kommt …

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Harte Realität

28.05.2008 · Keine Kommentare

Ganz bestimmt!
Ich weiß es sicher, denn ich habe es genau gesehen.
Mit eigenen Augen!
Es hat nichts zu bedeuten, dass das Bild jetzt in bunte Scherben zerfällt, in Staub, den der Wind wegträgt.
Ich hatte es in der Hand.
Ich habe es gefühlt!
Es floss mir durch die Finger.
Noch bevor es auf den Boden tropfen konnte, hatte es sich verflüchtigt, aber das macht es nicht weniger real.
Ich kann mich genau erinnern!
Auch wenn es sich jetzt wie ein Traum anfühlt.
Ein alter Traum.
Verschwommene Bruchstücke eines alten Traumes.
Ich bin mir sicher! Du glaubst mir, oder?
Also, ich bin mir eigentlich ziemlich sicher.
Ehrlich!
Ich war überzeugt, es gesehen zu haben.
Ich hatte etwas in der Hand.
Bestimmt.
Sonst hätte ich mich doch nicht an etwas erinnern können, oder?
Irgendetwas war da - glaube ich.
Vielleicht war das auch an einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit, aber da war etwas.
Ich bin überzeugt, da war etwas!
Ich bin sicher, ich war einmal.
Irgendjemand muss einmal sicher gewesen sein.
Ganz bestimmt!

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Eres responsable para siempre …

13.05.2008 · 11 Kommentare

… de lo que has domesticado.
El Principito (Der kleine Prinz - Antoine de Saint-Exupéry)

Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.

Ein schöner Satz! Aber stimmt er? Oder gibt es Ausnahmen?
Gilt das auch für Laptops von Bekannten, bei denen ich mich darum gekümmert habe irgendwelche Fehler in der Konfiguation auszumerzen?

Bin ich dafür verantwortlich, auf diesem Rechner Outlook neu zu installieren, weil ich letztes Mal das WLAN wieder zum Laufen gebracht habe?

Bin ich dafür verantwortlich, mit der Hotline des DSL-Providers zu telefonieren, weil ich vor Wochen den Splitter und den Router angeschlossen und konfiguriert habe?

Bin ich dafür verantwortlich, eine neue Festplatte zu installieren und die alten Daten auf diese zu verschieben, weil ich die - jetzt defekte - Platte vor 18 Monaten auch schon eingebaut habe?

Auch wenn ich dafür nie etwas verlangt habe?

Oder vielleicht gerade deshalb?

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Dunkler Falter

12.05.2008 · 25 Kommentare

Dunkler Falter

Wenn zwei Eheleute zum Sternenhimmel starrn,
oder ein Bruder hält seiner lieben Schwester das Garn,
oder ein Freund schenkt bedachtsam dem Freunde ein -

schwebt ein Dunkler Falter über den Zwein:

einer von uns muss hinter dem Sarge gehn,
dran im Straßenwinde die Schleifen wehn,
einer von uns muss streun mit kalter Hand
Erde hernieder vom bretternen Grabesrand,
einer von uns muss gehn nach Haus allein -

lieber Gott, lass mich der andere sein!

(Börries von Münchhausen)

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