Nedganzbachert - ich steh’ dazu!

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Ebbe

19.08.2008 · Keine Kommentare

Das Wasser scheint lebendig zu werden. Wie Myriaden kleiner Krebse auf unzähligen Beinchen strebt es in alle Richtungen davon. Flüchtet.

Das Boot, das zuvor noch als sicherer Platz und feste Hoffnung erschien, wird erschüttert als sein Kiel sich in den schlammigen Grund bohrt und es kommt mit einem Ruck zum Stillstand. Langsam kippt es zur Seite.

Kleine, braune Inseln tauchen an der Oberfläche auf und wachsen umsichgreifend bis sie sich berühren und miteinander zu einer einzigen öden Fläche verschmelzen.

Das Ziel am Horizont verschwimmt mit dem Watt.

Die Orientierung hat sich klammheimlich davon geschlichen, während der Zweifel und die Angst schmatzend und blubbernd aus der glitschigen Substanz kriecht, die das Boot umgibt.

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Bedeutende Kleinigkeiten

18.08.2008 · 9 Kommentare

Was möchte man vom anderen wissen?
Und wie erfährt man es?

Wenn zwei sich kennen lernen, fragen sie sich zunächst nach Eckdaten.

Beispiele:

  • Name
  • Alter
  • Beruf
  • Familienstand
  • Anzahl Kinder

Klassifikation: Wenige kurze Fragen - wenige kurze Antworten.
Gültigkeit: Langfristig bis dauerhaft
Wichtigkeit: Sehr wichtig! (Sogar Behörden interessieren sich dafür.)
Verwendung: z.B. zur Identifikation.
Beschaffung: einmalig, einfach, schnell (z.B. per SMS)

Dann kennt man sich irgendwann besser und interessiert sich für das Leben des anderen.

Beispiele:

  • Was hast Du geträumt?
  • Was hast Du erlebt?
  • Was hast Du gewünscht?
  • Was hast Du erhalten?

Klassifikation: Wenige kurze Fragen - wenige lange Antworten.
Gültigkeit: langfristig
Wichtigkeit: Weniger wichtig. (Sonst würden sich die Behörden dafür interessieren.)
Verwendung: z.B. Einschätzung der Persönlichkeit
Beschaffung: selten, einfach, etwas langwieriger. (z.B. gelegentliche Emails)

Und schließlich möchte man am Leben des anderen Teil haben:

Beispiele:

  • Wie geht es Dir?
  • Wie siehst Du heute aus?
  • Worüber hast Du Dich heute gefreut?
  • Über wen hast Du Dich heute geärgert?
  • Was hast Du heute Abend vor?

Klassifikation: Wenige kurze Fragen - viele lange Antworten.
Gültigkeit: sehr kurzfristig
Wichtigkeit: Unwichtig. (spätestens Morgen schon nicht mehr aktuell).
Verwendung: Kein wirklicher Nutzen.
Beschaffung: sehr häufig, schwierig, sehr zeitaufwändig. (Nur sinnvoll per Telefon, besser Skype oder persönliches Gespräch, am besten jedoch durch dauernde Anwesenheit)

Warum also schmerzt es mich also, dass mir diese “unwichtigen” Informationen über sie fehlen?

Wieso möchte ich immer neue “Banalitäten” von ihr hören?

Wieso möchte ich morgens wissen, wie sie geschlafen hat, obwohl das mittags kaum mehr eine Bedeutung hat?

Wieso will ich alles in mich aufsaugen, was es über sie zu “wissen” gibt?

Dabei möchte ich sie nicht kennen, ich möchte sie nur kennen lernen!

Immer aufs Neue!

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Der Weg

09.08.2008 · 5 Kommentare

Ich steige in den Zug und es fühlt sich ganz normal an.
Wie auch sonst.
Schliesslich fahre ich jedes Jahr tausende von Kilometern mit der Bahn.

Aber trotzdem ist es heute etwas anderes.
Es ist keine Fahrt zu meinem Sohn.
Es ist keine Dienstreise.
Ich fahre zu IHR.
Es ist keine Welle der Erkenntnis, denn ich weiss es seit Wochen.
Trotzdem sickert während der Fahrt etwas in mein Fühlen und Denken.
Tropfen fallen auf meinen Geist und versickern zunächst als ob sie nie da gewesen wären.
Doch mit der Zeit durchdringen sie mich, füllen mich aus.
Es ist jetzt nicht länger ein Wissen zu IHR zu fahren, sondern ein Sein.
Jetzt bin ich nicht mehr nur ein Mann, der Zug fährt, liest oder aus dem Fenster sieht.
Ich bin Reisender.
Nicht nur ein Reisender zwischen den Orten. auch zwischen den Zeiten und den Realitäten.
Ich komme nicht in einem anderen Land an, sondern in einer anderen Welt.
Keine neue Welt die durch die Menschen und deren Sitten, durch das Klima oder die Landschaft geprägt ist.
Sie wird durch meine Empfindungen für SIE bestimmt.
Durch die Empathie zwischen uns.
Durch die vielen Farben und Formen, die ich in Ihrer Nähe sehe und fühle
und die immer wieder neu entstehen.
Ich kenne diese Frau nicht.
Ich kann sie nicht kennen!
Sie ist mein Rätsel.
Und ich bin nicht nur heute auf dem Weg zu ihr.

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Leck geschlagen, ausgelaufen …

29.07.2008 · 18 Kommentare

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Freundschaft mit mir selbst?

13.07.2008 · Keine Kommentare

Möchte ich mit so einem Typen wie mir befreundet sein?

Wenn ich nicht mit mir befreundet bin, gehöre ich dann überhaupt zu meinem eigenen Freundeskreis?

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Zweifel

11.07.2008 · Keine Kommentare

Schwarze Spinnfäden schweben vor dem Auge. Ungeduldig wische ich sie beiseite. Sie fesseln meine Hände, wickeln sich um meinen Kopf, verdunkeln die Sonne und nehmen mir den Atem.

Angst steigt in mir auf.
Angst und Entschlossenheit.

Nein!
Nicht mit mir!
Nicht ohne Gegenwehr!

Heftig streife ich die Schatten ab.
Tief durchatmen.

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Der Schweiß der Nacht …

10.07.2008 · 5 Kommentare

Morgens, halb sieben in Deutschland:
Der Schweiß der Nacht ist abgeduscht aber ich fühle noch immer Ihre Hände auf meiner Haut, Ihren Atem in meinem Nacken und Ihre Seele berührt die meine …
… dabei haben wir uns seit Tagen nicht gesehen!

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Überraschung

06.07.2008 · 17 Kommentare

Ich dachte, mein Herz würde heute weinen.
Aber es sind nur die Augen, die Tränen vergießen.
Mein Herz lacht vor Sehnsucht …

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Sonntagmorgen

04.06.2008 · 2 Kommentare

Sonntagmorgen.
Der Wecker zeigt 4 Uhr und bemüht sich mit verzweifeltem Gepiepe mich davon zu überzeugen, dass es nun höchste Zeit sei, endlich aufzustehen.
Nach zwei, durch je einen Klaps gewonnenen Galgenfristen von 7 min, gebe ich nach und der Matratze die Möglichkeit, tief durchzuatmen und die noch frische Morgenluft einzusaugen.
Ich nehme mir viel Zeit, ein letztes Mal Emails und meine Kontoauszüge abzurufen sowie meine letzte Flasche Wasser zu leeren.
Dann die übliche Morgentoilette mit einem sehr flüchtigen Blick in den Spiegel (ein Mann muss nicht schön sein).
Die Dusche weckt mich endgültig.
Den letzten Müll rausbringen.
Kühlschrank ausräumen und ausschalten.
Sicherungen ausschalten.
Wasser abdrehen.

Nach sieben Jahren werde ich in dieser Wohnung vielleicht noch zwei oder dreimal übernachten, aber nicht mehr wohnen.
Mit meinem Rucksack, der gerade soviel enthält, wie man für den ersten Tag in einem neuen Leben benötigt, gehe ich zum Bahnhof.
Um 6 fährt der Zug dort ein, der mich nach Ulm bringen soll.
Dreißig Minuten später bin ich am Bahnhof der Stadt mit dem höchsten Kirchturm der Welt, dessen 768 Stufen ich schon das eine oder andere Mal erklommen habe.
Ich trinke einen großen Becher Kaffee und warte auf meinen Anschluss.
Kurz nach 7 schaukelt ein Bummelzug Richtung Stuttgart.
Die Stöpsel meines iPODs im Ohr.
Da die Bahn an jeder Milchkanne hält, habe ich jede Menge Zeit, mich in mein neues Hörbuch zu vertiefen. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht und das scheint auch den anderen Fahrgästen aufzufallen, doch das tangiert mich nur peripher.
Die Geschichte handelt von einem Mädchen, das in entwaffnender Offenheit, mit deutlicher Sprache und erfrischenden Humor über ihr Leben, ihren Körper und ihre Hämorriden-Operation spricht.
Von Ihr weiß ich nun, dass für ihre Mutter der wichtigste Grund für saubere Unterwäsche darin besteht, dass schließlich „immer etwas passieren“ kann.
Man stelle sich vor, frau wird von einem LKW angefahren und der Sanitäter findet bei der Erstversorgung Flecken in der Unterwäsche.
Nicht auszudenken!

Wer einmal hineinhören möchte, nicht verklemmt und kein Hygiene-Fanatiker ist, findet eine Hörprobe hier bei audible.de.

In Korntal hätte ich 30 Minuten Aufenthalt, wenn …

Ja, wenn dort nicht abfahrtsbereit ein Sonderzug – der „feurige Elias“ - stünde, dessen Dampflok ungeduldig kleine Rauchfähnchen entweichen lässt.
Mein neuer Wohnort liegt auf der Strecke und so muss ich keinen Moment überlegen, welchen Zug ich nehmen möchte.
Wenige Minuten später geht ein Ruck durch den Zug und er setzt sich in Bewegung. Ich stehe auf einer der offenen Plattformen zwischen den Waggons und lasse mir die milde Brise um die von der Sonne gekräuselte Nase wehen.
Bei sonnigem Wetter werde ich oft von Frauen angelächelt. Heute scheinen diese noch schöner zu sein.

Kinder lachen.
Die Lok heult.
Die Bügelflasche aus dem Bordrestaurant ploppt in meiner Hand. Ein kleiner Junge erschrickt etwas und seine Mutter lacht.
In meinem Wohnort angekommen, sehe ich mir die Lok noch mal an. Eine Güterzugdampflok 50 3636 mit 1700 PS.
Der Lokführer, der stilgerecht eine schwarz verschmierte Nase hat, drückt sich ein Handy ans Ohr und sorgt sich in keiner Weise um die Bordelektronik.
Glut fällt unter dem Kessel auf ein Gitter, Wasser tropft aus Ventilen und dann zischt Dampf aus Kolben, als sich die Lok stampfend und schnaufend ins Zeug legt, um mir jungem Spund zu zeigen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehört.
Der Boden vibriert.
Die letzten Wagen sehe ich nur noch verschwommen durch den Schleier meiner Tränen.
Das Leben kann so schön sein!
„Über den Wolken …“ Pah! Sollen doch die anderen fliegen …
Es ist Sonntag morgen.
Die Bahnhofsuhr zeigt 9:30 Uhr.

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Von Vernunft und Leidenschaft

27.05.2008 · 3 Kommentare

Eure Seele ist oft ein Schlachtfeld, auf dem eure Vernunft und euer Verstand Krieg gegen eure Leidenschaft und eure Gelüste führen.
Könnte ich der Friedensstifter in eurer Seele sein und den Missklang und die Zwietracht eurer Wesen in Einklang und Harmonie verwandeln!
Aber wie kann ich das, wenn ihr nicht selbst auch Friedensstifter seid, nein, mehr noch, euer ganzes Wesen liebt?
Eure Vernunft und eure Leidenschaft sind das Ruder und die Segel eurer seefahrenden Seele.
Wenn Eure Segel oder Ruder brechen, könnt ihr nur noch schlingern und treiben oder auf hoher See festgehalten werden.
Denn die Vernunft ist, wenn sie allein waltet, eine einengende Kraft, und unbewacht ist die Leidenschaft eine Flamme, die bis zur Selbstzerstörung brennt.

aus “Der Prophet” (Khalil Gibran)

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