Die Zahnpastatube ist nicht in der Mitte zerdrückt, leere Toilettenpapierrollen werden immer ausgetauscht, auf der Ablage am Waschbecken ist auch noch ein Plätzchen für mein Deo, wenn ich sie besuche.
Auf den Schränken steht kein Kitsch, in ihrem Bücherregal keine Rosamunde-Pilcher-Romane, in ihrer CD-Sammlungen keine Peinlichkeiten, die Osterdekoration ist geschmackvoll und dezent, an der Wand hängt kein röhrender Hirsch, sondern ein Picasso, um den ich sie beneide.

Sie sieht keine „Blindenstrafe“ und nicht „Bauer sucht Frau“ und hat nicht einmal einen Fernseher, liest beim Fiseur keine Frauenzeitschriften, sondern höchstens Auto-Motor-Sport oder Spiegel, schaltet das Radio aus, wenn Xavier Naidoo singt, bekommt Zustände wenn schon wieder Sascha sein „Please, please, please!“ jault, liest keine Zeitungshoroskope und schiebt meine Macken nicht auf mein Sternzeichen. Sie scheint sich nicht mal an diesen zu stören.
Wenn morgens meine gewohnte SMS nicht bei ihr ankommt, ist das kein Zeichen dafür, dass ich sie „nicht mehr liebe“. Verpasse ich es, ihr die Tür aufzuhalten, ernte ich keinen vorwurfsvollen Blick und wenn ich ihr in den Mantel helfe, lächelt sie mich betörend an, ohne den Hinweis, sie könne sich auch alleine anziehen.
Ich werde mit Komplimenten überschüttet und ich glaube ihr sogar. Es fällt ihr nicht schwer, ihre Gefühle zu zeigen, ist dankbar für die kleinsten Aufmerksamkeiten, wie ein Morgenkaffee am Bett, empfindet eine Massage nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Geschenk. Meine gesammelten Geständnisse haben sie nicht aus der Ruhe gebracht und Eifersucht hält sie für überflüssig.
Ihre Augen entziehen mir den Boden. Orangenhaut ist ein Fremdwort, Schwangerschaftsstreifen kennt sie nur aus dem Lexikon und Übergewicht nur von mir. Ihr Körper ist wie ihr Motorrad – kein Gramm Fett und jede Menge Power. Ihre Hände lassen mein Blut kochen, ihr Geruch meinen Atem rasen und ihr Lächeln meinen Widerstand brechen.
Doch das Beste ist:
Sie nimmt mich, wie ich bin und ist sogar überzeugt, einen guten Fang gemacht zu haben. Sie hat nichts an mir auszusetzen, obwohl ich meine Macken sehr wohl kenne.
Irgend etwas muss doch faul sein, wenn sie kein Traum ist.
Ist das Herz eine Vierraum-Wohnung, in der es neben dem Arbeitszimmer und den Zimmern für die Mutter und den Sohn nur noch Platz für eine Frau bleibt, so dass vor einer neuen Beziehung zunächst zwangsgeräumt werden muss?