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Brodelnd zerplatzen die Blasen und werfen kleine, heiße Tröpfchen über den Rand des Topfes, in dem die Eier hüpfen und dabei unstetig auf den Boden klopfen.
Aus der Eieruhr sind bereits zwei Liter ausgelaufen, über den Rand der Arbeitplatte und an der Tür des Küchenschrankes herabgeronnen und haben meine Socken durchnässt. Ein gutes 3-Liter-Ei muss einen butterweichen Dotter haben.
Ich bestreiche zwischenzeitlich den Vollkorntoast sorgfältig und gleichmäßig mit Butter und vergesse dabei die Zeit.
Der Schwimmer der Eieruhr berührt den Boden und ein leises Klingeln ertönt.
Als ich nicht sofort reagiere klingelt es erneut, aber ich möchte diesen Toast noch fertig streichen. Auf ein paar Milliliter kommt es jetzt auch nicht mehr an. Ich muss später ohnehin wischen.
Unwirsch beginnt der Schwimmer zu schreien, denn er mag es nicht, wenn man ihn nicht beachtet.
„Hey! Hast Du Eier in den Ohren? Ich bin ein Schwimmer und kein ‘Warter’! Ich hab’ jetzt die Schnautze voll. Mein Sohn kommt heute und ich kann nicht ewig warten, bis Du Dein Toast-Schmier-Meisterstück abgeschlossen hast!“
Missmutig zieht er von dannen.
Nun, er hat Recht. Die Eier sind etwas fest.
Kategorien: Geträumt
Mit Tag(s) versehen: butterweich, Eieruhr, Schwimmer
… und ist wohl nicht weit von der Wahrheit entfernt.
Sie glaubt es in meinen Augen zu sehen.
Wie auch immer – ich glaube sie hat Recht.
Ich habe nachts oft so lebhafte und detaillierte Träume, dass ich sie nach ein oder zwei Tagen nur noch anhand damit verbundener Skurilitäten in das Reich der Träume zurück verbannen kann.
Andererseits, als ich gestern abend im Zug aus einem kurzen Schlaf erwachte, benötigte ich einige Minuten, um aus meinen Erinnerungen der letzten 24 Stunden den Schluss zu ziehen, dass es sich um die Realität handelte.
So stark die Eindrücke sind, so unwirklich scheinen mir manche Momente.
Eine zeitliche Einordnung scheint unmöglich. Ich kann gefühlte Stunden nicht in 30 reale Minuten unterbringen. Schlaflose Stunden verfliegen wie Minuten.
Die Decke des Schlafzimmers ist auch noch in der Dunkelheit ein verlässlicher Anker für meine Gedanken.
Details wachsen in meinem Bewusstsein, so dass ein Augenpaar jede Erinnerung an die Kleidung überdeckt. Hatte ich schwarze Stiefel gesehen? Ein Lächeln löscht das kürzlich Gehörte, wie ein Magnet die Daten einer Diskette.
Ich kann auf dem Wasser gehen, aber ich stolpere über die Wellen …
Kategorien: Akutes · Gefühlt · Geträumt
Mein Bruder sah mich an und und ich nahm wahr, dass sein Blick auf meine Frisur fiel.
„Brauchst Du Geld?“ fragte er „Du solltest mal wieder zum Friseur.“
Doch es war nur ein Traum.
Mit einem Blick in den Spiegel versicherte ich mich, dass ich mich noch in die Öffentlichkeit wagen kann.
Kategorien: Geträumt
Mit Tag(s) versehen: Friseur, Frisur
Entzündete Bronchien und Stimmbänder lassen mich nachts schlecht schlafen.
Vorgestern war es so schlimm, dass ich beschloss erst einmal eine Weile fernzusehen, weil mich dies schon nach kurzer Zeit einzuschläfern verspricht.
Ich schaltete um 4:30 Uhr das erste Programm ein und sah gerade einen Lokführer in seinen Führerstand steigen. Ab diesem Moment blickte die Kamera starr nach vorn.
Langsam begannen die Schienen sich unter den Zug zu schieben und der Zug verließ den Bahnhof Zermatt. Allmählich schoben sich die ersten Büsche an mir vorbei. Mein Blick folgte der Oberleitung, die sich immer schneller von Mast zu Mast schwang. Das Rattern des Zuges hatte sich zu einem gleichmäßigen Rhythmus gesteigert und zog mich in eine Trance. An der Strecke zeigten sich Häuser und Höfe und verschwanden wieder.

Manchmal folgten die Schienen dem Tätschbach später der Matter Vispa, ein anderes Mal verliefen sie entlang der Talstraße. Hin und wieder tauchten wir in das Schwarz eines Tunnels und dann begann ein kleiner Lichtpunkt zu wachsen, bis die Landschaft wieder das gesamte Sichtfeld erfüllte.
Die Kulisse der Berge verschob sich fast unmerklich nach links und rechts, während wir uns in leichten Kurven Richtung NNO bewegten. Auf geraden Teilstücken gewann ich fast den Eindruck, als bewege sich ein bedrucktes Förderband unter mir hindurch.
Kein einziger Kommentar, keine nervende Musik störten bei dieser wortlosen Fahrt durchs Tal und als der Zug nach 25 min in Sankt Niklaus einfuhr und zum Stehen kam, glaubte ich, mein Fernseher bewege sich von mir weg.
Ich war natürlich nicht müde und so dachte ich noch eine Weile über die Vermarktung von Zugfahrten auf DVD nach – Kaminfeuer verkauft sich schließlich auch – bis ich einschlief und vom Zugfahren träumte …
Kategorien: Gesehen · Geträumt
Mit Tag(s) versehen: Sankt Niklaus, Zermatt, Zug
Toleranz bekommt Risse
Kalte Finger greifen durch die Spalten
Scharfe Zungen peitschen nach der Empathie
Kaltes Feuer fließt durch Adern
Giftiger Reif überzieht das Herz
Lächeln gefriert
Lippen reißen
Augen stechen
Empfindung schwindet
Kategorien: Akutes · Geträumt
04:14
Das Gedankenkarussell dreht sich.
… sollte … könnte … vielleicht … scheiße … muss … will nicht … aufstehen … umdrehen …
Ich schiebe eine Eisenstange knirschend ins Getriebe. Mit lautem Knall fliegt es mir um die Ohren.
Das Karussell dreht sich nicht mehr. Das Karussell existiert nicht mehr.
… und ich bin wach.
Ich sehe mich um, suche nach den Gedanken, die an den Ketten des Karussells um mich rotierten, doch die Bruchstücke die ich finde, sind nicht mehr zu identifizieren. Alles wird zusammengekehrt und fliegt in den Müll.
Heute ist genug Zeit für eine gemütliche Tasse Kaffee und ein paar Seiten in diesem Buch
Kategorien: Gedacht · Gelesen · Geträumt
Mit Tag(s) versehen: Gedankenkarussell, Ich dich auch, Kaffee
Er versucht zu laufen, aber seine Beine bewegen sich als bestünde die Luft um ihn aus Honig. Die Muskeln brennen und je mehr er sich anstrengt, desto langsamer wird er. Mit einer Mischung aus Verwunderung und Gleichgültigkeit stellt er fest, dass er nackt ist. Ob er vor etwas flüchtet oder einem Ziel zustrebt, weiß er nicht.
Die Luft schiebt sich wie Sand durch seine Luftröhre und die scharfen Kanten der Kristalle zerschneiden die Lunge. Sogar das Licht scheint langsamer zu werden und sich in Schlieren aufzulösen. Der Boden wird weich und mit jedem Schritt sinkt er tiefer ein.
Ein Schrei löst sich stumm aus seiner Kehle und flattert hilflos zu Boden …
Kategorien: Akutes · Geträumt
Mit Tag(s) versehen: Schrei, Traum
Im Dunkel der Nacht schleichen sie sich heran.
Sie mischen sich unter meine Gedanken und verwirren sie mit Zerrbildern der Realität. Sie tauchen ein in meine Träume, entführen Erinnerungen und bauen damit düstere Geschichten, die sie drohend und mit stampfenden Schritten gegen mein müdes Bewusstsein marschieren lassen. Sie lassen meine Ängste schwere Schatten auf mich werfen, während sie versuchen, mich mit meiner Müdigkeit an den Schlaf zu fesseln.
Ich möchte morgens nicht schon kämpfen, aber ich lasse mir nicht alles bieten. Nach einem tiefen Atemzug schüttle ich sie heftig ab, zerschmettere sie mit lauter Musik und wasche ihr klebriges Blut mit heißem Wasser von mir.
Kategorien: Existenzielles · Gefühlt · Geträumt
Mit Tag(s) versehen: Bewusstsein, Erinnerungen, Müdigkeit, Nacht, Schatten, Träume, Zerrbilder
Fahles Licht wabert von Osten über die weite, reifbedeckte Eisfläche. Das Glitzern des Reifs lässt den nahenden Tag schon erahnen. Mit einem einzelnen leisen Knacken, springt ein feiner, schüchterner Riss in das noch unberührte Eis, dann ist wieder Stille.
Unter kaum vernehmbarem Ächzen, weitet sich der Spalt und seine filigranen Enden schneiden sich scheinbar mühelos weiter. Träume quellen zögerlich durch die enge Öffnung und bilden einen dünnen Film. Sie schmelzen die Reifkristalle und legen das darunterliegende Eis frei, durch das die Dunkelheit schimmert.
In Licht und Luft, ohne den Abschluss vor der Realität, wandeln sich die Träume langsam zu Gedanken. Hier flattern und taumeln sie vor Freude ob ihrer neuen Freiheit und ich werde sie bald nicht mehr erkennen. Doch ihre leeren Puppen liegen noch als Zeugen ihrer wahren Herkunft auf der harten, kalten Ebene, die ihren Aggregatzustand nur noch kurze Zeit gegen die Wärme des Tages verteidigen können wird.
Kategorien: Geträumt
Mit Tag(s) versehen: Erwachen, Gedanken, Träume
Mein Bewusstsein verändert sich.
Der schöne Traum verliert nach und nach seine feste Konsistenz und perlt langsam von meinen Gedanken, doch seine Energie ist schon in mich eingedrungen und er hinterlässt seine Keime in mir, die ich hegen und pflegen werde.
Ich besprühe sie regelmäßig mit temperiertem Wasser, sorge für ausreichend Sonne und Schatten, spreche mit Ihnen und freue mich am Wachsen ihrer Wurzeln.
Mein Vertrauen in diese zarten Triebe wächst.
Mir ist bewusst, dass ich diese Pflanze nicht immer in meiner kleinen Wohnung halten kann, denn ich wünsche mir, dass sie ein starker Baum wird. Ich werde mich verpflanzen müssen, um an der Seite dieses Baumes leben zu können.
In fünf Tagen bekommt meine Pflanze wieder Dünger. Dann werde ich wieder träumen. Träumen bis der Traum Realität wird.
Kategorien: Gefühlt · Geträumt
Mit Tag(s) versehen: Realität, Sie, Sonne, Traum, Wurzeln