Freundschaft mit mir selbst!


Menschen, die mir wichtig sind, sagen mir ich sei wertvoll.
Sie sind mir wichtig, weil sie authentisch und ehrlich sind.
Ich schätze ihre Meinung und nehme sie ernst.
Nur in einem Punkt fällt es mir schwer, ihre Aussagen anzunehmen.
Wenn Sie mir sagen, ich sei

  • etwas besonderes (ist ja jeder irgendwie)
  • wertvoll (na ja …)
  • gutaussehend (das ist relativ)
  • ein toller Mann (puh, jetzt wird es echt peinlich)
  • sensibel (stimmt, das spüre ich gerade, aber …)

fange ich an zu zweifeln.

Andererseits kenne ich es auch, dass Menschen sich abwerten, obwohl m. E. absolut kein Grund dazu besteht.
Alle Überzeugungsversuche meinerseits, sie seien zu streng mit sich, verpuffen annähernd wirkungslos.

An dieser Stelle beginne ich nachzudenken.

  • Kann ich nicht wenigstens denen, die mich in einem Punkt kritisieren, glauben, dass sie mir mit einem Kompliment an anderer Stelle keinen Honig ums Maul schmieren möchten?
  • Kann ich nicht wenigstens in Erwägung ziehen, dass auch andere sich ein realistisches – wenn auch subjektives – Bild von mir machen können?
  • Kann ich nicht wenigstens versuchen, mir mit ähnlich viel Offenheit und Wohlwollen zu begegnen, wie vielen anderen Menschen?

Ich versuche also wieder, mich mit mir anzufreunden.
Ich möchte, dass meine Freundschaft zu anderen, keine Abwertung meiner Selbst ist, sondern die Wertschätzung des anderen.
Ich bemühe mich, positive Rückmeldungen anzunehmen, dreimal tief durchzuatmen, ohne diese zu hinterfragen, dreimal tief durchzuatmen, während ich lerne das Gehörte ernst zu nehmen, dreimal tief durchzuatmen und die Komplimente zu genießen, so wie ich wünsche, dass mein Gegenüber meine ehrlichen Komplimente ernst nimmt und genießt.

Das wenigste, das ich daraus ziehen kann, ist frischer Sauerstoff fürs Gehirn 😀

So verkehrt bin ich eigentlich garnicht.
Klar, ein paar Macken aber doch echt nett.
Eigentlich ein helles Köpfchen.

Vielleicht gehe ich mal, mit mir einen trinken …

/* edit */

ach ja, und wenn SIE mich liebt, muss etwas dran sein.
Ich bin ein toller Mann (zumindest fühle ich mich schon so 😀 )

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6 Antworten zu “Freundschaft mit mir selbst!

  1. Und ob du ein toller Mann bist! Danke für den Zuspruch, hat echt gut getan, der Krieg ist zwar noch nicht vorbei, aber es herrscht gerade Waffenstillstand. Durchatmen. Luft holen, wie du mir selbst verzeihen und nicht so streng sein, bitte auch du mit dir?

  2. … und täglich grüßt das Murmeltier …
    😀
    Erst dreimal durchlesen …
    Von wem ist das?
    Meint die MICH?

    STOP!

    Tief durchamen …

    Danke Morgiane!

  3. welches bild trägst du in dir? dein wahres eigenes oder von deinen eltern konstruiertes bild?

    bilder der eltern sind aus wasserfarben. unsere eigenen bilder sind aus ölfarben. die mischen wir selber.

    und jeder weiss doch, öl schwimmt über dem wasser 😉

  4. @canela: Wenn’s so einfach wäre … 🙂
    Ist das Bild, das ich von mir male richtiger, als die von anderen gemalten?
    Wie auch immer …
    An diesem Bild haben viele mitgemalt.
    Natürlich haben meine Eltern damit begonnen, da fand ich es schön, hatte aber noch kein Kunstverständnis. Vermutlich hätte ich heute einige Kritikpunkte.
    Dann wurde es in der Schule von Klassenkameraden mit Dreck beworfen, auch einige Fußabdrücke fanden sich danach auf der Leinwand. Irgendwann habe ich begonnen es zu reinigen. Ich habe die eine Frau weitermalen lassen, bis mir mein Bild zu langweilig wurde und ich auf wilde Kunst stand. Dann hat eine andere ihre Nägel in die Leinwand gegraben und ich fand es schön – eine Zeitlang. Ich habe mich zu lange aus der künstlerischen Gestaltung herausgehalten und habe nur beobachtet, wie sich mein Bild verändert. Ich hatte keine Meinung mehr zu meinem Kunstwerk. Jetzt arbeite ich wieder daran. Es geht mir dabei nicht darum, die Spuren von Misshandlungen zu entfernen, denn sie gehören zur Geschichte dieses Bildes. Sie machen einen Teil seiner Schönheit und Faszination aus. Auch im Hässlichen liegt Faszination 🙂

    In meinem Bild gibt es also nicht nur Wasser- und Ölfarben, sondern auch Erde, Teer, Nagellack, Fingerfarben, Pastellkreide, Blut, Fettflecken u.v.m. und niemand kann sagen, welche dieser Farben wie lange oben schwimmt.
    So bleibt das Leben spannend. 😀
    Und jetzt hat sich wieder mal eine Frau gefunden, die sich dieses Bild nicht nur kurz ansieht, sondern die es richtig gut findet 😉

  5. Gedankenkreise, die sich um mich drehen, habe ich zum grossen Teil abgelegt.
    Ordnung in mir selbst machen, wenn es mal wieder nötig ist . Aber mehr nicht.

    Ich nehme mich einfach meistens nicht so wichtig.
    (Ohne mich dabei selbst zu ent-werten.)
    Weisch 🙂

  6. @lila: Vielleicht liegt es daran, dass ich mich sehr lange nicht wahrgenommem habe. Es fällt mir schwer, wegzusehen. Ich will noch so viel verstehen 🙂

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