Der Erika


Sie ist eine Frau die auffällt, aber es ist keine Freude sie zu sehen. Sie hat einen Schritt wie ein Holzfäller auf ihren hohen Schuhen. Sie wird in der Firma „der Erika“ genannt und ich schäme mich, wenn ich mich beim Gedanken erwische, dass das kein Wunder sei.

„Mit diesen Beinen, sollte man keine Kleider anziehen.“ oder „Wenn man mit solchen Schuhen nicht laufen kann, soll man es bleiben lassen.“

Erika ging im Frühjahr als Mann in Urlaub und kam als Frau zurück. Die Geschäftsleitung war vorab informiert, an ihre Kollegen hat sie eine Email gesendet, als sie wieder zu arbeiten begann.

Sie schrieb, wie schwer ihr die Entscheidung gefallen sei, zur Frau zu werden – gegen alle Widerstände – aber dass sie keine Wahl hatte.

Jetzt ist die Beziehung kaputt (Ehefrau und Kinder kamen nicht damit klar), der Vater meidet sie und die Akzeptanz unter den Kollegen lässt zu wünschen übrig.

Und dann erwische ich mich wieder, wie ich zu mir sage: „Na kein Wunder, ich hätte sicher die Firma gewechselt.“

Ja, das hätte ich getan, aber wie komme ich dazu, anderen zu raten, wie sie ihr Leben gestalten sollen, wann sie den Job wechseln, welche Kleider sie tragen oder ob sie trainieren sollten femininer zu gehen?

Der ach so tolerante ngb hat da offensichtlich ein Problem mit sich selbst …

Advertisements

13 Antworten zu “Der Erika

  1. Damit kommen die wenigsten klar. Ich hätte da wohl auch meine liebe Mühe.

  2. @rr: Nur ist das bei mir etwas anders gelagert, denn wenn sie einfach wie eine Frau aufträte, hätte ich wohl kaum noch ein Problem damit.
    Aber es wirkt auf mich wie eine dieser beschissenen Fastnachts-„Parodien“ a la Männerballett.
    Ich höre für heute auf, darüber nachzudenken – ich muss für meine seelische Hygiene sorgen.

  3. Toleranz ist etwas vom schwierigsten. Schwieriger als man meint, jedenfalls.

  4. Ich kämpfe zur Zeit mir größeren Drachen, lenke mich aber mit den kleinen ab. 🙂

  5. Ich weiss zwar nicht, was das für ein Drachen ist (mache mir jedoch so meine Gedanken), aber wenn du gesiegt hast, schlage ich dich zum Ritter Georg.

  6. Du kannst Dir Zeit lassen, das Schwert schmieden zu lassen. Der Drachen wird mich nicht fressen, aber eine Weile beschäftigen.

  7. Das ist gut, denn ich habe nicht so viel Übung im Schmiden von Ritterschwertern. (Wird denn jeder Ritter mit einem eigens für ihn geschmiedeten Schwert geschlagen?) Gib Bescheid, wenn die Zeremonie starten kann.

  8. Es muss nicht extra geschmiedet sein, Du kannst auch das Deines Vaters oder Großvaters nehmen.

  9. Wenn das so ist: Genügt auch der Offizierssäbel? Wenn nicht, müsste ich zum Jagdgewehr greifen.

  10. Ok, Jagdgewehr ist super!

  11. nun, mit den konsequenzen hätte erika aber rechnen müssen. da unsere ach so tolerante welt eben doch nicht so tolerant ist…
    ob ich ein problem damit hätte? schwer zu sagen. ich störe mich auch überhaupt nicht an homosexualität, aber wenn ich erika früher gekannt hätte wäre es wohl schwer, sich einfach so umzugewöhnen.

    wie komme ich dazu, anderen zu raten, wie sie ihr Leben gestalten sollen, wann sie den Job wechseln, welche Kleider sie tragen oder ob sie trainieren sollten femininer zu gehen?

    gutgemeinte ratschläge sind meist nicht schlecht. man muss es eben nur so rüberbringen…

    lg, aprikose

  12. @aprikose: Ich habe schon mit 16 in Stuttgart zwei Jahre ein Zimmer des Wohnheims mit einem Schwulen geteilt, ein Cousin von mir ist schwul und vor wenigen Wochen war ich bei der Hochzeit eines schwulen Kollegen. Ich habe definitiv kein Problem mit Homosexualität. Ich habe Erika vorher nicht gekannt aber vielleicht ist es diese „Stümperhaftigkeit“ mit der sich diese Frau zum Gespött macht

  13. also ich finde die Aktion von Erika ziemlich mutig. Er oder besser gesagt „Sie“ ist sich sicher bewußt darüber, dass diese Aktion nicht von allen akzeptiert wird und trotzdem er/sie steht dazu. Das verdient Respekt. Okay, um ein Zitat aus dem Film „Mis Undecover“ zu zitieren: „Den Gang habe ich schon einmal im Jurassic Park gesehen…“ trifft das bestimmt auch auf „Erika“ zu, aber wie gesagt „Übung macht den Meister“…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s