Dunkelstunden


Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.

aus „Das Buch vom Mönchischen Leben“ von Rainer Maria Rilke

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10 Antworten zu “Dunkelstunden

  1. Ich liebe Rilke.

    Wer seines Lebens viele Widersinne
    versöhnt und dankbar in ein Sinnbild fasst,
    der drängt
    die Lärmenden aus dem Palast,
    wird anders festlich, und du bist der Gast,
    den er an sanften Abenden empfängt.

    Du bist der Zweite seiner Einsamkeit,
    die ruhige Mitte seinen Monologen;
    und jeder Kreis, um dich gezogen,
    spannt ihm den Zirkel aus der Zeit.

    Rilke (aus dem Buch vom mönchischen Leben )

  2. Verdammt, der Typ konnte das richtig gut! 🙂

  3. Da hast Du verdammt recht.

    Irgendwie fühlt man sich von seinen Worten eingenommen und wärmend bedeckt.
    Man kann sich reinfühlen inmitten eines Kopfkinos…

    Und hier kommt mein absoluter Favorit:

    Der Panther

    Im Jardin des Plantes, Paris

    Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
    so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.

    Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
    der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
    ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
    in der betäubt ein großer Wille steht.

    Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
    sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
    geht durch der Glieder angespannte Stille –
    und hört im Herzen auf zu sein.

  4. Ich habe bei Rilke keinen all time favourite.
    Was in mir gerade besonders gut wächst, hängt von dem Boden ab, den ich gerade auf den Feldern meiner Seele finde.

    Heute haben mir Deine beiden letzten Posts sehr gut gefallen. So möchte ich schreiben können.

  5. Oh das freut mich jetzt aber.
    Ich schreibe immer aus dem Bauch raus.
    Vielleicht mag es für den ein oder anderen zu gefühlsbetont empfunden werden, aber es ist so wie Du es treffend umschreibst. … die Felder meiner Seele spiegeln sich wider.

    Manchmal möchte ich aber auch anders schreiben können.

  6. Du hast offensichtlich einen schönen Bauch.
    (literarisch betrachtet 😉 )

  7. *lach

    Das liegt dann wohl immer im Auge des Lesers.;-))

  8. Ja, aber ich bin ja nicht irgendein Leser, sondern ein besonders feinsinniger, so dass meine subjektive Meinung beinahe als objektive Wahrheit betrachtet werden kann 😉

  9. Wunderschön. Ich bin witzigerweise erst über Warren Zevon an Rilke rangeführt worden, ein großer Rilkefan, und trage stets für langweilige Pausen zwischen Gerichtsterminen ein Rilkebuch mit mir herum. Spinnert, ich.:-)

  10. Wenn man spinnert sein muss, um Rilke zu mögen, bin ich es gern. 🙂

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