Zermatt – Sankt Niklaus


Entzündete Bronchien und Stimmbänder lassen mich nachts schlecht schlafen.
Vorgestern war es so schlimm, dass ich beschloss erst einmal eine Weile fernzusehen, weil mich dies schon nach kurzer Zeit einzuschläfern verspricht.

Ich schaltete um 4:30 Uhr das erste Programm ein und sah gerade einen Lokführer in seinen Führerstand steigen. Ab diesem Moment blickte die Kamera starr nach vorn.

Langsam begannen die Schienen sich unter den Zug zu schieben und der Zug verließ den Bahnhof Zermatt. Allmählich schoben sich die ersten Büsche an mir vorbei. Mein Blick folgte der Oberleitung, die sich immer schneller von Mast zu Mast schwang. Das Rattern des Zuges hatte sich zu einem gleichmäßigen Rhythmus gesteigert und zog mich in eine Trance. An der Strecke zeigten sich Häuser und Höfe und verschwanden wieder.

fuhrerstand1

Manchmal folgten die Schienen dem Tätschbach später der Matter Vispa, ein anderes Mal verliefen sie entlang der Talstraße. Hin und wieder tauchten wir in das Schwarz eines Tunnels und dann begann ein kleiner Lichtpunkt zu wachsen, bis die Landschaft wieder das gesamte Sichtfeld erfüllte.

Die Kulisse der Berge verschob sich fast unmerklich nach links und rechts, während wir uns in leichten Kurven Richtung NNO bewegten. Auf geraden Teilstücken gewann ich fast den Eindruck, als bewege sich ein bedrucktes Förderband unter mir hindurch.
Kein einziger Kommentar, keine nervende Musik störten bei dieser wortlosen Fahrt durchs Tal und als der Zug nach 25 min in Sankt Niklaus einfuhr und zum Stehen kam, glaubte ich, mein Fernseher bewege sich von mir weg.

Ich war natürlich nicht müde und so dachte ich noch eine Weile über die Vermarktung von Zugfahrten auf DVD nach – Kaminfeuer verkauft sich schließlich auch – bis ich einschlief und vom Zugfahren träumte …

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7 Antworten zu “Zermatt – Sankt Niklaus

  1. Zum Glück ist niemand vor den Zug gesprungen. War der Zug pünktlich? (Ich vermute, dass es darum gar nicht geht.)

  2. Ich habe mir von einer Schweizerin sagen lassen, dass alle Züge in der Schweiz immer pünktlich sind.
    (Bis auf den einen, den ich benutzte, als ich sie besuchte 😉 )

  3. … und zudem behaupte ich, dass sie den Beitag nicht gesendet hätten, wenn jemand vor den Zug gesprungen wäre.

  4. Der Zug, der nicht pünktlich war, liess sich wohl vom bärigen Charisma des Bloggers beeinflussen.

    Die Schweizer sind immer pünktlich. Die Bahnen auch. Und alle Schweizer können jodeln.
    Es lebe das Klischee 😉 !

  5. Wenn ich mal wieder in die Schweiz komme, werde ich bei Dir beginnen, die schweizer Jodelfähigkeiten zu überprüfen …

  6. wir tragen auch alle trachten und haben immer einen milchbart…

    auf arte gibts ab und zu schäfchen die herumhopsen… etwa 2 stunden lang. sehr gut zum einschlafen!

  7. @Mirjam: Dann habt ihr ein echtes Einwanderproblem, denn als ich das letzte Mal in der Schweiz war, habe ich kaum Trachten gesehen …

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