Schule

Ab der Einschulung habe ich daher Mädchen gemieden. Jungs habe ich auch gemieden. Manche sagen dazu Außenseiter, und sie haben Recht.

Meine Attraktivität – ich verwende dieses Wort an dieser Stelle nur, weil man sich nicht selbst abwerten soll – war deutlich eingeschränkt durch eine Hornbrille (Kassengestell, Modell 60er Jahre), deren rechtes Glas abgeklebt war. Damit wollten die Ärzte erreichen, dass mein linkes Auge nach der Schieloperation wieder etwas mehr Selbstvertrauen und Verantworungsgefühl bekommt.
Heute habe ich auf dem linken Auge unkorrigierte 5,0 Diptrien (rechts 0,5) und weniger als 50 % Sehstärke. Zum Glück, denn sonst würde ich alles doppelt sehen. Übrigens habe ich im Internet nach einem adäquaten Bild einer solchen Brille gesucht, aber meine Firewall hat geblockt: „Gefährliche Seite – bitte sofort schließen!“

Dazu kam, ich hasste Fußball und alle anderen Mannschaftssportarten, bei denen man eine Person für den Misserfolg der gesamten Mannschaft verantwortlich machen konnte, denn diese Person war immer ich. „Gib doch ab, Du Arsch!“
Ich war derjenige, der beim Auswählen der Mannschaften ganz zum Schluss noch da stand.

Als mein Vater mich in einen Sportverein steckte, durfte ich zwischen Geräteturnen und Leichtathletik wählen. Ich wählte Leichtathletik, weil ich es mir leicht machen wollte.
Ich lernte daraus z.B., dass man sich auf Redewendungen wie „Nomen est Omen“ nicht blind verlassen darf, und dass es nicht immer richtig ist, den vermeintlich einfachen Weg zu gehen.

Meine Begabungen lagen auf einem anderen Gebiet.
Das war bewiesen, wenn man davon ausging, dass ich überhaupt welche besaß.

Mein Vater wollte, dass ich ein Instrument lerne – ich auch.
Nur wollte ich Klavier lernen, was meinem Vater zu teuer war, weshalb ich ein Akkordeon bekam.
Mein zweites bewusstes Trauma.
Mir wird soeben bewusst, dass auch dieses mit Musik in Verbindung steht. Heute habe ich dieses Trauma überwunden, indem ich einfach verlernt habe, Akkordeon zu spielen. Ich träume nur noch selten davon.

Einer meiner Onkel war Leiter eines Kinder- und Jugendchores und holte mich jede Woche zur Probe ab.
Wer jetzt glaubt, es käme eine Geschichte, in der ich mit meiner „Fuchsschwanz“-Stimme den ganzen Chor umwerfe, hat sich geschnitten. Mein Onkel war froh mich im Chor zu haben.
Hier zeigte sich, dass ich durchaus eine gewisse musikalische Begabung habe.
Später im Schulchor, konnte ich zeigen, dass mich auch zehn Knaben im Stimmbruch nicht aus dem Konzept bringen.
Aber den Musiklehrer brachten sie aus dem Konzept, weshalb „Carmina Burana“ schließlich ohne Knabenstimmen aufgeführt wurde. Schade, ich hätte die Knabenstimme auch allein übernommen.

Kennt jemand den Spruch „Du könntest, wenn Du wolltest!“?
Der wurde für mich erfunden, um den Lehrern zu ermöglichen, ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck zu bringen, wie man mit meinen Fähigkeiten ein solch mittelmäßiges Zeugnis bekommen kann.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!
Nein, das ist zu flappsig. Die Wahrheit ist, ich wollte NICHT:
Ich wollte zwar gute Noten haben, aber ich wollte keine gute Noten bekommen. Anders formuliert, ich wollte nichts dafür tun.

Einzige Ausnahme war Mathematik, wo ich mich manchmal schon ärgerte, wenn hinter der 1 ein Minus stand.
(Kurzer Einwurf für Länder mit abweichendem Benotungssystem – 1 ist in Deutschland die beste und 6 die schlechteste Note).
Mein besonderer Ergeiz bestand darin, meinen Mathelehrer mit originellen Lösungswegen zu überraschen.
Mein Deutschlehrer fand meine Beiträge nicht so originell. Zumindest sah er keine Veranlassung, mir für meine Leistungen besser als 4 zu geben. In der neunten Klasse war’s dann endgültig eine 5 und nur das Wohlwollen meines Englischlehrers – übrigens bestes English Teacher of the World – ersparte mir eine Wiederholungsrunde, weil er nochmal Vokabeln abhörte und meine Englischnote auf 4 angehoben hat.
Ihr seht, in fast allen Fächern konstante Leistungen.

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