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Suche Pferdefuß!

Die Zahnpastatube ist nicht in der Mitte zerdrückt, leere Toilettenpapierrollen werden immer ausgetauscht, auf der Ablage am Waschbecken ist auch noch ein Plätzchen für mein Deo, wenn ich sie besuche.

Auf den Schränken steht kein Kitsch, in ihrem Bücherregal keine Rosamunde-Pilcher-Romane, in ihrer CD-Sammlungen keine Peinlichkeiten, die Osterdekoration ist geschmackvoll und dezent, an der Wand hängt kein röhrender Hirsch, sondern ein Picasso, um den ich sie beneide.

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Sie sieht keine „Blindenstrafe“ und nicht „Bauer sucht Frau“ und hat nicht einmal einen Fernseher, liest beim Fiseur keine Frauenzeitschriften, sondern höchstens Auto-Motor-Sport oder Spiegel, schaltet das Radio aus, wenn Xavier Naidoo singt, bekommt Zustände wenn schon wieder Sascha sein „Please, please, please!“ jault, liest keine Zeitungshoroskope und schiebt meine Macken nicht auf mein Sternzeichen. Sie scheint sich nicht mal an diesen zu stören.

Wenn morgens meine gewohnte SMS nicht bei ihr ankommt, ist das kein Zeichen dafür, dass ich sie „nicht mehr liebe“. Verpasse ich es, ihr die Tür aufzuhalten, ernte ich keinen vorwurfsvollen Blick und wenn ich ihr in den Mantel helfe, lächelt sie mich betörend an, ohne den Hinweis, sie könne sich auch alleine anziehen.

Ich werde mit Komplimenten überschüttet und ich glaube ihr sogar. Es fällt ihr nicht schwer, ihre Gefühle zu zeigen, ist dankbar für die kleinsten Aufmerksamkeiten, wie ein Morgenkaffee am Bett, empfindet eine Massage nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Geschenk. Meine gesammelten Geständnisse haben sie nicht aus der Ruhe gebracht und Eifersucht hält sie für überflüssig.

Ihre Augen entziehen mir den Boden. Orangenhaut ist ein Fremdwort, Schwangerschaftsstreifen kennt sie nur aus dem Lexikon und Übergewicht nur von mir. Ihr Körper ist wie ihr Motorrad – kein Gramm Fett und jede Menge Power. Ihre Hände lassen mein Blut kochen, ihr Geruch meinen Atem rasen und ihr Lächeln meinen Widerstand brechen.

Doch das Beste ist:
Sie nimmt mich, wie ich bin und ist sogar überzeugt, einen guten Fang gemacht zu haben. Sie hat nichts an mir auszusetzen, obwohl ich meine Macken sehr wohl kenne.

Irgend etwas muss doch faul sein, wenn sie kein Traum ist.

Wanted!

Pferdefuß

Warranty:
100 Weight-Watcher-Points

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Das Gesicht zerfließt …

Das Gesicht zerfließt
und es bleibt nur die Gewissheit,
dass ich es unter Tausenden
in einem Augenblick finden würde.

Erinnerungen sind wie Eis.
Wenn sie im Lichte stehen,
beginnen sie zu schmelzen.
Wenn man sie mir Händen berührt,
zerfließen sie.

Doch ich brauche kein Bild,
um die Erinnerung aufzufrischen.
Ich höre die Stimme
und es flackert Licht auf,
das die Konturen
aus dem Nichts
erscheinen lässt.

Meine Augen lassen sich fesseln
von ihren Augen,
deren Farbe ich nicht erkenne,
von dem Schwung der Nase,
deren Form ich nicht beschreiben kann,
von den Augenbrauen,
von den Lippen,
und dann
beginnt das Gesicht erneut zu fließen …

Ein Heiligabend

„Liebst Du mich?“

„Ja.  So wie gestern und morgen.“

„Dann beweise es mir.“

„Ich kann es nicht beweisen.“

„Dann liebst Du mich nicht richtig.“

„Ich könnte Himmel und Hölle in Bewegungs setzen, könnte mich aus einem Flugzeug stürzen, für Dich durchs Feuer gehen und würde doch nicht meine Liebe beweisen sondern lediglich meinen festen Willen, Dich davon zu überzeugen.
Was hättest Du dadurch gewonnen?“

Was sah sie?

Was sah Sie, wenn Sie mich betrachtete?
Sie, eine Frau, die sich nach eigenem Bekunden nie bemühen musste, einen Mann kennen zu lernen. Und ich hatte nie Zweifel daran, dass dies der Wahrheit entsprach.
Langes, glattes, schwarzes Haar mit diesem bläulichen Schimmer um den Haaransatz umfloss ihr ovales jugendliches Gesicht, dem die feinen Fältchen der Jahre nichts anhaben konnten sondern nur den Charme der Reife verliehen. Ich hätte schwören können, dass ich schon immer auf lange, glatte, schwarze Haare gestanden hatte.
In der Iris ihrer hellen Augen strahlte ein grüner Stern und ihre Zähne weckten den Wunsch ein Apfel zu sein.
Wenn ich sie betrachtete wuchs in mir das Bedürfnis, ihre Silhouette in Tusche nachzuzeichnen, wohlwissend dass ich danach enttäuscht gewesen wäre. Vor allem jedoch konnten wir stundenlang zusammen reden, spazieren gehen, Konzerte oder Museen besuchen.
So ähnlich unsere Interessen waren, so unterschiedlich waren wir.
Noch mehr unterschied ich mich von den vielen Männern, mit denen sie vor mir zusammen war. Coole Typen, Motorradfahrer oder Musiker, „Männer von Welt“ oder Abenteurer.
Ich beneidete diese Männer nicht.
Ich wollte nicht sein wie sie.
Ich war im Großen und Ganzen zufrieden mit mir.
Dennoch fragte ich mich irgendwann, was ihr an mir gefiel.
War es meine Gelassenheit, wenn sie mir ihren Ärger an den Kopf warf? Meine Veranlagung, wieder auf sie zuzugehen, wenn ihre Wut verraucht war? Mein Beistand, den ich ihr auch gewährte, wenn sie mich kurz davor aus ihrer Wohnung geworfen hatte? Meine Fähigkeit, mich mit all ihren Freunden anfreunden zu können? Meine Balance sie ernst zu nehmen, wenn sie es selbst nicht konnte und sie reden zu lassen, wenn ihr die Pferde durchgingen? Meine Begabung, sie auf Gefühle ansprechen zu können, die sie sich selbst noch nicht eingestehen wollte? Mein Interesse an ihren Hobbies und ihrem Leben? Meine nicht wertende Aufmerksamkeit, wenn sie aus ihrem bewegten Leben erzählte?
Sie hatte es mir nie gesagt. Ob sie es selbst wusste?
Es gefiel ihr, wenn ich ihre Haare mit schwarzem Henna färbte. Sie zeigte es mir nicht und hatte oft etwas auszusetzen. Mal trug ich zu viel auf, mal zu wenig, mal hatte ich es zu trocken angesetzt, ein anderes Mal tropfte es ihr zu sehr – oder ich brauchte einfach zu lange – aber immer wieder „bat“ sie mich darum.
„Wir müssen mal wieder Haare färben.“
Mir gefiel ihre unbeholfene Art zu fragen.
Trotzdem gab sie mir oft das Gefühl, dass sie etwas vermisste.

Heute telefonieren wir regelmäßig, obwohl sie mir erzählt hatte, dass sie nach dem Ende einer Beziehung jeglichen Kontakt abbräche.
Was sah sie?
Ich frage sie nicht.
Sie würde es nicht sagen.

Zimmer frei!

zimmer-frei-belegtIst das Herz eine Vierraum-Wohnung, in der es neben dem Arbeitszimmer und den Zimmern für die Mutter und den Sohn nur noch Platz für eine Frau bleibt, so dass vor einer neuen Beziehung zunächst zwangsgeräumt werden muss?

Ist es ein Schloss, das zwar nicht unbegrenzt, jedoch sehr geräumig ist, so dass – eine gemäßigte Lebensweise vorausgesetzt – immer noch ein Zimmer frei ist?

Oder ist es ein Organ, in dem die Liebe neue Räume wachsen lässt?

Concepción

Du warst die neue Praktikantin
Und wir in gespannter Erwartung
Vom ersten Tag an eine Hilfe
Schon am ersten Tag verwirrend

Deine schwarzen Augen zogen mir die Beine weg
Und ich merkte, dass ich auch fliegen kann
Du hast Einfaches an mir bewundert
Ich habe Dich einfach bewundert

Dein Feuer fesselte mich
Und ließ mich mein Feuer entdecken
Dein Atem nahm mir den Atem
Dein Blick ließ meine Augen erblinden

Acht Wochen wie eine Illusion
Und der Abschied war kurz
Ich habe noch heute Deine Adresse
Doch es ist nicht mehr Deine

Heute hast Du Geburtstag
Und Du wirst mich nicht lesen
Das Internet kennt Deinen Namen nicht
Doch ich werde ihn nicht vergessen