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Der Mühlhiasl

Sechs Tage vor dem Anfang in einer neuen Firma befinde ich mich im letzten Drittel meines ersten Urlaubs mit meiner Traumfrau.

Sie steht mir bei, wenn mich der Bayerwald zu verschlingen droht.
Nein, ich möchte nicht jammern, denn es ist wirklich schön und sehr erholsam hier. In der Bar ist man auch ungestört, wenn sich außer uns noch zehn andere an den Tischen unterhalten, denn das unverständliche Genuschel kann nicht von der eigenen Unterhaltung ablenken.

Wohlgemerkt, ich bin kein Fischkopf! Ich habe seit 1983 über 25 Jahre in unterschiedlichen Gegenden Bayerns gelebt und hätte bis gestern abend behauptet, ich verstünde alle Bayern. Jetzt muss ich zugeben, es gibt mindesten drei Männer, bei denen ich außer „ja freilich“ (eingedeutscht) kein Wort verstehe.

Auch bei der Besichtigung der berühmten „Gläsernen Scheune“ stand SIE mir zur Seite.
Schon der Nachsatz im Prospekt hätte mich misstrauisch machen müssen.

„Bekannt aus Funk und Fernsehen!“

Bei der Werbung mit dem Zigarettencowboy, der lila Kuh oder dem Toilettenpapierbär hat dieser Hinweis jeweils gefehlt. Wozu sollte er auch gut sein? Wenn mir etwas aus Funk und Fernsehen bekannt ist, muss mir niemand sagen, dass es mir aus Funk und Fernsehen bekannt ist, denn schließlich ist es mir ja aus Funk und Fernsehen bekannt.

Die „Gläserne Scheune“ kannte ich nicht.
Doch ich werde sie nicht vergessen!

Ein bayerwälder „Künstler“ sah sich bemüßigt, lokale Mythen um den „Mühlhiasl“ (In deutsch: Mühlen-Matthias) mit Bleistift und anderen Werkzeugen auf die Scheiben einer Scheune zu malen.

Erklärt wurden diese Werke von einer Frauenstimme aus einem Tonband.
Der Tonfall erinnerte mich an die Erzählerinnen aus den Märchengärten meiner Jugend. Dort ging man auf Trampelpfaden von einem kleinen Häuschen zum nächsten, drückte dort auf einen Knopf und schon begannen die Figuren dort quietschend und ratternd mit Armen und Köpfen zu wackeln, dass man sie am liebsten sofort von ihrem harten Los erlöst hätte.

Das schlimmste war jedoch immer die Stimme der Erzählerin, die mit einem sprach, als sei man ein kleines Kind, dabei war ich doch schon zehn!

Nun weiß ich wohin es diese Frau verschlagen hat.
Und sie hat die 30 Jahre genutzt, um Bayrisch zu lernen.

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Das große Fressen

FledermausDie Fledermäuse machen sich sonst abends immer auf den Weg von ihren Schlafplätzen in Scheuen, Dächern und Türmen zum Wald. Erst huschen nur vereinzelt welche durch den dunkler werdenden Himmel, dann fliegen kleine Gruppen schnurstracks Richtung Westen und nach einer halben Stunde ist der Luftraum über dem Balkon wieder frei.

Die letzten Abende ist dies anders.
In der einsetzenden Dämmerung versammeln sich dicke Wolken dumm taumelnder Junikäfer in der milden Luft über mir. Auch Millionen Jahre der Evolution haben aus diesen Viechern keine eleganten Flieger gemacht. Diese Dinger sind so dämlich, dass sie sich en gros gegen die Fenster meines Balkons werfen und leider hin und wieder auch gegen meinen Kopf.

Auch den Fledermäusen sind die brummenden Tölpel nicht entgangen und sie verzichten nun auf den Ausflug zum Wald. Ein wilder Luftkampf entbrennt, beim dem jedoch nur die Jäger zu erkennen sind. Abrupt wechseln diese die Flugrichung, als wären sie von einer unsichtbaren Membran abgeprallt.

Der Grund für diese Manöver ist nicht schwer zu erraten.
Das Ortungssystem hat ein Echo einer dieser Eiweißbomben empfangen.
Doch ich glaube, die kleinen Flugsäuger könnten heute einfach mit offenen Maul hin und her fliegen, um satt zu werden.

Nach einer knappen Stunde ist dieses Schauspiel beendet und die Flederratten – ich schöre, sie sind jetzt doppelt so groß – kehren in ihre Quartiere zurück.
Wenn man aufmerksam lauscht, dringt gelegentlich das Ächzen eines Dachbalkens ans Ohr.
Hoffen wir, dass die Statiker etwas Puffer in ihren Berechnungen hatten, sonst werden hier in Kürze jede Menge Zimmerleute benötigt.

Mein Mitbewohner

Ich kenne ihn schon von klein auf.
Auf einmal war er da.
Er hat sich nie vorgestellt und hat nie mit mir gesprochen, doch er ist sehr genügsam und zurückhaltend, so dass wir uns in meiner kleinen Wohnung nie in die Quere kamen.
Er scheint sich an meinem Schnarchen nicht zu stören, hat sich nie über zu laute Musik oder meine Unordnung beschwert und trinkt nicht mein Bier.

Ein angenehmer Geselle also.

Bevor meine Freundin mich besucht, muss ich ihn aber leider aus meiner Wohnung verbannen.
Zu seinem Wohl.

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Ein Beitrag zur Völkerverständigung …

von Monty Python auf seine unverwechselbare Art.

Hänsel und Gretel

haensel_und_gretel1_richterNoch etwas matt im Kopf vom frühen Aufstehen, gehe mich mit großen , jedoch langsamen Schritten an der Mühle vorbei, am Bach entlang, auf die Schrebergärten zu, die einen Teil der 3 km meines Fußweges zur Arbeit säumen.
Wie jeden Morgen bin ich in Gedanken versunken.

Dunkle Socke.

Ich überlege nochmal, was ich heute zu erledigen habe … Wäsche waschen.
Ähhh!? Wieso lag da eine Socke? Egal.
Um 9 Uhr habe ich eine Besprechnung mit Frau Maier aus dem Export – einer attraktiven Spanierin, was der Name nicht vermuten lässt. Sie hat einen Maier mit viel Geld geheiratet.

Blaue Unterhose.

Hat sich hier jemand auf dem Weg zum Garten ausgezogen?
Bis zur Mittagspause muss ich die Bewertung der Halbfabrikate für das Controlling abschließen. Alex möchte, dass ich in das Programm für die Inventurzählliste noch ein Feld einfüge.

Weißes Unterhemd.

Hat hier jemand Wäsche zum Trocknen in den Schrebergarten gefahren und dabei verloren? Was es alles gibt!
Das Pflichtenheft für die Langzeitlieferantenerklärung muss noch geprüft werden und die Anpassung für die Erweiterung der Preislisten getestet. Heute Abend muss ich noch einkaufen gehen. Ich habe kein Brot mehr zu Hause. Könnte ich allerdings auch in der Mittagspause erledigen.

Hellblaues Spannbetttuch und weiße Socke mit zwei blauen Streifen.

Beide mit dem Profil des Traktors, der kurz zuvor vorbei gefahren ist. Die Spur ist jedoch nicht deutlich genug, als dass die Wäsche noch feucht sein könnte. Also hat der Besitzer wohl die trockene Wäsche vom Schrebergarten nach Hause bringen wollen.
Heute Abend ist ja noch Chor. Dann kaufe ich das Brot auf jeden Fall in der Mittagspause. So kann ich dann auch gleich zur Post und Briefmarken für die Bewerbungen holen.

Rote Socke.

Das ist schon wieder so ein Haushalt, bei dem von jeder Farbe nur eine Socke existiert – spätestens seit heute. Vielleicht möchte auch nur jemand wieder nach Hause finden oder es ist eine Schnitzeljagd. Jetzt geht mir die Phantasie durch. Das ist nur Wäsche, die nach dem Trocknen auf dem Heimweg aus dem Fahrradkorb  fiel.

Weiße Unterhose, Schiesser Feinripp, mit Eingriff und mit …

… na ja, sagen wir, mit eindeutigen Hinweisen, dass diese Wäsche noch nicht gewaschen ist.

Das Gesicht zerfließt …

Das Gesicht zerfließt
und es bleibt nur die Gewissheit,
dass ich es unter Tausenden
in einem Augenblick finden würde.

Erinnerungen sind wie Eis.
Wenn sie im Lichte stehen,
beginnen sie zu schmelzen.
Wenn man sie mir Händen berührt,
zerfließen sie.

Doch ich brauche kein Bild,
um die Erinnerung aufzufrischen.
Ich höre die Stimme
und es flackert Licht auf,
das die Konturen
aus dem Nichts
erscheinen lässt.

Meine Augen lassen sich fesseln
von ihren Augen,
deren Farbe ich nicht erkenne,
von dem Schwung der Nase,
deren Form ich nicht beschreiben kann,
von den Augenbrauen,
von den Lippen,
und dann
beginnt das Gesicht erneut zu fließen …

Mein Kopf funktioniert anders als andere …

Es ist keine wirkliche neue Erkenntnis, dass andere andere Ideen haben als ich.
Dafür fallen mir Dinge ein, auf die ein anderer nicht verfiele.

Jetzt braucht eine bekannte Spielwarenkette ein anderes Aussehen für ihre Puppe.

Barbie soll ein neues Gesicht bekommen.
Das Gesicht eines Prominenten.

Nun mir fallen da einige ein, ohne lange zu überlegen.

Britney, Paris, Angelina, …

Aber bitte wer kam auf die geistreiche Idee, ihr das Gesicht unserer Bundeskanzlerin zu verpassen???