„Total“ oder „Eine ganz normale Bahnfahrt“

Die junge Dame mit vorstehender Unterlippe und herabhängenden Mundwinkeln liest konzentriert in der aktuellen Ausgabe „Das neue Echo der Frau mit Herz von Heute im Spiegel“ (Vielleicht war es auch eines der anderen Blätter, deren wichtigstes Interpunktionszeichen das Fragezeichen ist, um Verleumdungsklagen zu vermeiden).

„Hat Sie ein Alkoholproblem?“

prangt auf einer bunten Seite.

(Diese Frage bezog sich in der aktuellen Ausgabe auf eine bestimmte Sängerin, diese Sentenz wird jedoch sicher als Textbaustein gespeichert, da sie ohne Anpassung später noch für diverse Schauspielerinnen, Girlies oder Prinzessinnen verwendet werde kann.)

Neben den Fragezeichen gibt es auch noch Text.

Wenig – Sehr wenig!

Und große Bilder!

Über einer anderen Seite lautet die Headline

Wasserspiele

Ebenfalls wenig Text neben einem großen, jedoch etwas körnigen Bild.

(Klar! Was soll man auch sonst zu einem Bild schreiben, das – auch für einen Hobbyfotografen offensichtlich – mit einem Extrem-Tele-Objektiv aufgenommen wurde und das eine Prominente zeigt, deren Brustwarzen sich durch ihr nasses Oberteil drücken?!)

Im kleinen Textblock genügen schon eine kurze Angabe zur Person des Promis und der Name des Ferienortes.

Vier ältere Herrschaften betreten den Zug und setzen sich. Sie kommen von einer größeren Wanderung (Interpretation meinerseits, aufgrund der Wanderschuhe, Kniebundhosen, Rucksäcke und ihrer körperlichen Verfassung).
Die beiden Damen setzen sich in die Mitte und werden von den Herren eingerahmt.

Sie1: Fährd der Zug bis Konschdanz durch?

Er1: I wois ned.

Sie1: Oder bloibd er in Stuagart?

Er1: I wois doch nedda!

Sie1: No missä mir halt den Schaffner frage. Wann kummt der?

Er1: I wois ned.

Sie1: Immer wenn ma den Schaffner brauchd, kummt er ned.

Er1: Mmh.

Sie1: (zu ihrer Nachbarin) Woisch, wenn ma uf dr Schaffner wartet, kummt er ned.

Sie2: Ja, genau!

Sie1: Aber wenn ma dr Schaffner ned brauchd, dann kummt er.

Sie2: Stimmt!

Sie1: Kennsch des au?

Sie2: Ja, total.

Sie1: (zu ihm) Hosch Du unsre Tickets?

Er1: Ja.

Sie1: Bisch dir au sicher?

Er1: Ja!

Sie1: Siehsch?! Da kemma lang uf’n Schaffner warte.

Sie2: Freilich! Wenn ma uf die wartet, kumme se ned.

Er2: (verdreht die Augen zur Decke und schweigt mit verkniffenen Lippen)


Die jetzt folgende peinliche Stille wird etwas durch das fröhlich-aufgeregte Gegacker einiger Prosecco-Lerchen aus dem Nachbarwagon aufgelockert.


„Amy total einsam in London“

(Sind die Londoner alle im Urlaub? Zumindest mein Cousin sollte zuhause sein, doch dieser hat klassische Musik studiert und vielleicht fehlt deshalb eine gemeinsame Basis für längere Gespräche. Ich sollte mich mal wieder bei ihm melden. Sicher ist er auch total einsam in London.)

„Heidi ist total im Stress“

(Was soll ich dazu sagen? Mir wäre es auch lieber gewesen, sie hätte auf die eine oder andere Aktivität verzichtet, z.B. Germany‘s Next Topmodel)

„Sie will Jackos Kinder“

(Es war wohl eine seiner Schwestern gemeint, aber es kommen noch ein paar andere Frauen in Frage)

„In die Psychiatrie eingewiesen“

(Interessiert mich nicht. Ich kenne diesen Typen nicht einmal)

Die hochbrisanten Informationen prallen auf die junge Leserin, die jedoch nicht mit der Wimper zuckt

Umfragen der Woche:

„Hätte Sarah die Finger von Diego lassen sollen?“

„Traust du Robbie ein erfolgreiches Comeback zu?“

„Nimmt sich Megan zu viel raus“

(Ich werde gespannt auf die repräsentativen Ergebnisse warten, die sicher auch in den Nachrichten veröffentlicht werden.)

Sie1: (zu ihrer Nachbarin) Woisch, Früher heds viel mee Schaffner gebn.

Sie2: Ja, genau!

Sie1: Heid gibts viel weniger.

Sie2: Ja, total!


Ich bin hin und her gerissen, wohin ich meine Aufmerksamkeit lenken soll, doch plötzlich fällt mir die Entscheidung sehr leicht:

In der Zeitschrift der jungen Dame ist auf einem großen Bild zu erkennen, wie Jennifer Lopez an ihrem Kleidchen nestelt, weil sich ihre Haare in einem Knopf verfangen haben. Ich beginne meine Chancen zur Flucht abzuwägen, wenn ich der Frau am nächsten Bahnhof die Zeitschrift entreiße und aus dem Zug stürze …

Die junge Dame mit vorstehender Unterlippe und herabhängenden Mundwinkeln liest konzentriert in der aktuellen Ausgabe „Das neue Echo der Frau mit Herz von Heute im Spiegel“ (Vielleicht war es auch eines der anderen Blätter, deren wichtigstes Interpunktionszeichen das Fragezeichen ist, um Verleumdungsklagen zu vermeiden).

„Hat Sie ein Alkoholproblem?“ prangt auf einer bunten Seite (Diese Frage bezog sich in der aktuellen Ausgabe auf eine bestimmte Sängerin, diese Sentenz wird jedoch sicher als Textbaustein gespeichert, da sie ohne Anpassung später noch für diverse Schauspielerinnen, Girlies oder Prinzessinnen verwendet werde kann.)

Neben den Fragezeichen gibt es auch noch Text.

Wenig (Sehr wenig).

Und große Bilder!

Über einer anderen Seite lautet die Headline „Wasserspiele“

Ebenfalls wenig Text neben einem großen, jedoch etwas körnigen Bild.

Klar! Was soll man auch sonst zum Bild einer Prominenten schreiben, deren Brustwarzen sich durch ihr nasses Oberteil drücken und das (auch für einen Hobbyfotografen offensichtlich) mit einem Extrem-Tele-Objektiv aufgenommen wurde.

Im kleinen Textblock genügen schon eine kurze Angabe zur Person des Promis und der Name des Ferienortes.

Vier ältere Herrschaften betreten den Zug und setzen sich. Sie kommen von einer größeren Wanderung (Interpretation meinerseits, aufgrund der Wanderschuhe, Kniebundhosen, Rucksäcke und der körperlichen Verfassung). Die beiden Damen setzen sich in die Mitte und werden von den Herren eingerahmt.

Sie1: Fährd der Zug bis Konschdanz durch?

Er1: I wois ned.

Sie1: Oder bloibd er in Stuagart?

Er1: I wois doch nedda!

Sie1: No missä mir halt den Schaffner frage. Wann kummt der?

Er1: I wois ned.

Sie1: Immer wenn ma den Schaffner brauchd, kummt er ned.

Er1: Mmh.

Sie1: (zu ihrer Nachbarin) Woisch, wenn ma uf dr Schaffner wartet, kummt er ned.

Sie2: Ja, genau!

Sie1: Aber wenn ma dr Schaffner ned brauchd, dann kummt er.

Sie2: Stimmt!

Sie1: Kennsch des au?

Sie2: Ja, total.

Sie1: (zu ihm) Hosch Du unsre Tickets?

Er1: Ja.

Sie1: Bisch dir au sicher?

Er1: Ja!

Sie1: Siehsch?! Da kemma lang uf’n Schaffner warte.

Sie2: Freilich! Wenn ma uf die wartet, kumme se ned.

Amy total einsam in London (Sind die Londoner alle im Urlaub? Zumindest mein Cousin sollte zuhause sein, doch dieser hat klassische Musik studiert und vielleicht fehlt deshalb eine gemeinsame Basis für längere Gespräche. Ich sollte mich mal wieder bei ihm melden. Sicher ist er auch total einsam in London.)

Heidi ist total im Stress. (Was soll ich dazu sagen? Mir wäre es auch lieber gewesen, sie hätte auf die eine oder andere Aktivität verzichtet, z.B. Germany‘s Next Topmodel)

Sie will Jackos Kinder (Es war wohl eine seiner Schwestern gemeint, aber es kommen noch ein paar andere Frauen in Frage)

In die Psychiatrie eingewiesen (Interessiert mich nicht. Ich kenne diesen Typen nicht einmal)

Die hochbrisanten Informationen prallen auf die junge Leserin, die jedoch nicht mit der Wimper zuckt

Umfragen der Woche:

Hätte Sarah die Finger von Diego lassen sollen?

Traust du Robbie ein erfolgreiches Comeback zu?

Nimmt sich Megan zu viel raus?

Ich warte gespannt auf die repräsentativen Ergebnisse, die sicher auch in den Nachrichten veröffentlicht werden.

Sie1: (zu ihrer Nachbarin) Woisch, Früher heds viel mee Schaffner gebn.

Sie2: Ja, genau!

Sie1: Heid gibts viel weniger.

Sie2: Ja, total!

Ich bin hin und her gerissen, wohin ich meine Aufmerksamkeit lenken soll, doch plötzlich fällt mir die Entscheidung sehr leicht:

In der Zeitschrift der jungen Dame ist auf einem großen Bild zu erkennen, wie Jennifer Lopez an ihrem Kleidchen nestelt, weil sich ihre Haare in einem Knopf verfangen haben. Ich beginne meine Chancen zur Flucht abzuwägen, wenn ich der Frau am nächsten Bahnhof die Zeitschrift entreiße und aus dem Zug stürze …

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Translokation

Ich betrat die noch fast leere Turnhalle und legte meine Sachen auf die Gymnastikmatte, die ich im Geräteraum organisiert hatte. Gleich links an der Wand hatte ich mir mein Plätzchen gesucht.

Später am Abend kehrte ich zurück, um die Nacht dort zu verbringen.
Ich fand meine Matte mitten in der Halle vor.

Nicht dass ich keinen Platz gehabt hätte, aber ich hätte erwartet, dass man mich fragt, ob man meinen Platz haben könne.

Zunächst dachte ich, es sei schließlich egal, wo ich schlafe, andererseits sah ich nicht ein, diese Unverschämtheit unkommentiert zu lassen. Da ich jedoch nicht unnötig ausfallend werden wollte, beschloss ich noch einige Male tief durchzuatmen.

Einer jungen Frau in der Nähe schilderte ich den Sachverhalt und fragte sie, was sie davon hielte. Sie fragte mich, ob ich sicher sei, die Matte nicht dorthin gelegt zu haben, wo ich diese auffand.

Welch eine Frage!

Natürlich war ich sicher! Schließlich hatte ich meine Sachen an eine Wand gelegt und jetzt befanden sie sich mitten in der Halle.

Ich malte mir schon aus, die schon schlafende Person auf meinem ursprünglichen Platz an der Wand mitsamt der Matte in die Mitte zu ziehen und „meinen“ Platz wieder zu erobern, als die junge Frau fragte, ob in der Turnhalle am Nachmittag nicht eine Trennwand herunter gelassen war …

Tja, wenn ich es recht überlege, sah die Halle am Nachmittag etwas kleiner aus …

Offenbarung

Er wollte ehrlich mit sich sein – schonungslos. Doch nicht zu lügen, war noch keine Ehrlichkeit.

Durch jahrelange Übung verstand er es, schmerzhafte Fragen zu übersehen oder Antworten zu geben, die keine waren. Solange Fragen und Antworten nur Druckveränderungen in der Umgebungsluft waren und keine sichtbaren, beweisbaren Veränderungen hervorriefen, konnte er sich glauben machen, die Fragen seien andere gewesen oder man er habe etwas anderes geantwortet.
Andere mussten das nicht glauben. Es genügte, wenn er es glaubte.

Erinnerungen waren nicht objektiv und zuverlässig. Sie lebten und veränderten sich. Und mit ihnen wandelten „Wahrheiten“ ihr Gesicht wie die Wolken bei einem Gewitter.

Er hatte sich darauf eingelassen, eine Inventur zu machen. Sich einige Fragen zu stellen – oder nur eine. Nicht abends vor dem Einschlafen, wo die Geister der Nacht die Gelegenheit hatten, die Erinnerung zu einem feinen Gespinnst zu zerzupfen, das sich unter den unruhigen Bewegungen seines Körpers im Schlaf in einen grauen, steifen Filz verdichtete, in dem das einzelne Filament keine Bedeutung, keine eigene Identität mehr hatte.

Zwei Tage würde er schreiben, was ihm in den Sinn kam. Keine innere Zensur – so hatte er sich vorgenommen – sollte den Fluss der Gedanken hemmen.
Begeistert war er von der Idee gewesen.
Klarheit sollte es ihm bringen.
Erkenntnis.
Doch nun brachte es ihm nur eine difuse Unruhe.

Es gab Menschen, die Angst vor der Fremde hatten. Er beneidete sie. Der Fremde konnte er ohne Anstregung fern bleiben. Doch wie schütze man sich vor seinem Inneren?
Was würde passieren, wenn er den Verschluss des Sicherheitsgefäßes entfernte?
Nur ein kurzer, eiskalter, klebriger Schwall wie bei einer geschüttelten Champagnerflasche?
Oder würde er damit eine Quelle schwarzen, zähen, stinkenden Schlamms entfesseln? Den nicht enden wollende Strom einer Masse, die ihm die Atemwege verschlösse, ihm das Licht und die Luft zu atmen nähme?

Sie lernen es (vielleicht noch)

Bei Aldi und Konsorten gibt es inzwischen regelmäßig Decken in der Größe 220 x 155 cm im Angebot und sogar die passenden Bezüge.

Das Schuhgeschäft, das ich letzte Woche besuchte, führte Schuhe bis Größe 50.

Als ich neulich bei S’Olaf ein Hemd kaufte, entdeckte ich Oberbekleidung bis XXXL (was sogar mir zu groß wäre)

Ein Bett mit 220 cm Länge habe ich schon seit Jahren.

Klar hat es „Übergrößen“ schon früher gegeben, aber nicht ohne mit einem saftigen Aufschlag zur Kasse gebeten zu werden.
Doch für mein Bett habe ich lediglich 10% mehr bezahlt, weil es 10% länger ist. Richtig so!

Es gibt sie also, die Unternehmer, die „die Großen“ endeckt haben. Doch so ganz verstanden haben es noch nicht alle.
Die Tochter meiner Freundin (eine 188er Prachtweib) hat von ihrem Arbeitgeber gesagt bekommen, sie hätten keine extra hohen Schreibtische. (Ich erklärte ihr, dass dieser verpflichtet ist, ihr einen ausreichend hohen Arbeitsplatz zu stellen.)
Aber die Normhöhe für Schreibtische wurde sogar von 75 cm auf 72 cm nach unten korrigiert, weil die EU entdeckte, dass die Portugiesen den Schnitt senken.

Richtig besch… finde ich jedoch, dass mir bei meiner Hochwasseraufräumaktion das Kreuz an einer viel zu niedrigen Küchenspüle abfault …

Notunterkunft

Während andere Mitbewohner vorübergehend ein Zimmer bei der Gemeinde bezogen haben und andere sich ein Hotel nahmen, bin ich für zwei weitere Tage bei meiner Traumfrau untergeschlüpft.

Das ist eine schöne Entschädigung dafür, dass meine Wohnung – im Gegensatz zu meinem Keller – wasserfrei ist (ich meine damit, es gibt kein Wasser zum duschen, waschen, spülen, Kräuter gießen etc.).

Momentan darf kein Abwasser produziert werden, da sowohl die Kanalisation als auch die Hausabflüsse noch verstopft sind. Erst ab Mittwoch kann ich dann daran gehen, meine aus den Fluten geretteten Schätze zu säubern.

Heute werde ich mich also damit begnügen, für meinen trockenen Schatz zu kochen. Ich glaube ich werde einen gratinierten Blumenkohl machen …

Ich bin ein Glückspilz!

Es gibt eine Reihe von Dingen, die beweisen, dass ich ein Glückspilz bin.

  • Die Probleme von Madame Lila habe ich nicht mehr (/edit/ zu entscheiden, was man behält und was man wegwirft)
  • Mein Keller ist jetzt leer
  • Ich muss ihn nicht selbst reinigen
  • Im Winter muss ich keine gebrauchte Kleidung anziehen
  • Die Entscheidung, ob ich meine Geo-Hefte verkaufe, entfällt
  • Ich habe wieder einen Überblick über mein Hab und Gut
  • Mein Fahrrad wurde geputzt
  • Ich habe meine externe Festplatte wieder gefunden
  • In meinem Keller stand das Wasser nicht 2,5 m hoch, wie in dem meines Nachbarn, denn mein Keller liegt 1,5 m höher.

Justitias Erkenntnis #1

Der Tritt ins Gesäß der unterstellten Mitarbeiterin gehört auch dann nicht zur „betrieblichen Tätigkeit“ einer Vorgesetzten, wenn er mit der Absicht der Leistungsförderung oder Disziplinierung geschieht.

LAG-DUESSELDORF, AZ: Urteil, 12 (18) Sa 196/98