Schlagwort-Archive: Aberglaube

Aberglaube II

Die Figur ist uns wichtig.
Wir wollen eine gute Figur machen – Oder sollte ich sagen, wir wollen eine gute Figur haben?

Inzwischen hat sich aber vielfach die Erkenntnis durchgesetzt, das das nicht von alleine geht.
Wir ernähren uns gesund und bewegen uns mehr.
Doch gerade Letzteres ist sooo anstrengend.
Spazieren gehen und wandern dauert zu lange, Joggen ist zu anstrengend und belastet die Gelenke.
Also was tun?

Wie wär’s mit etwas „Zauberei“?
Klar doch! Alles was hilft!
Man nehme ein paar Stöcke. Nein, nicht irgendwelche. Es müssen schon Nordic-Walking-Stöcke sein. Schließlich ging Harry Potter auch nicht einfach in den Wald, um sich irgendeinen Prügel vom Baum zu schlagen, sondern in ein entsprechendes Fachgeschäft.

Mit dem richtigen Werkzeug geht alles wie von allein.
Es ist nicht wichtig, sich an die Hinweise des en-dabblju-bi-ei (NWBI – Nordic Walking Basis Instructors) zu halten, der darauf hingewiesen hat, man solle sich mit den Armen abstoßen bis der gestreckte Arm und der Stock eine gemeinsame Linie bilden.
Es genügt, die Arme locken neben sich her zu schleifen. Zudem kann man die neuen Geräte nutzen, um das Getratsche mit der Freundin eindrucksvoller durch Gesten zu untermalen.
Diese Gesten können sogar bei ansonsten unbeteiligten Passanten Eindrücke hinterlassen – blutende …

Aberglaube

Das alltägliche Leben bietet oft in unerwarteten Momenten Gelegenheit, Studien über brennende Themen der Zeit zu betreiben.

So stand ich am Ende einer langen Schlange vor einem Leergutautomaten, der Kunststoffflaschen zurücknahm, um sie noch an Ort und Stelle zu zerquetschen (das Geräusch und die geringen Ausmaße des Automaten ließen keine Zweifel zu). Hin und wieder gab der Automat ohne ersichtlichen Grund eine Flasche zurück. An diesem Punkt begann es interessant zu werden.

Eine Frau hatte bemerkt, dass der Automat die Flaschen rotieren ließ, um den Barcode zu lesen. Deshalb gab sie jetzt jeder Flasche einen Drall, wenn sie sie in den Automaten schob. Wies der Automat die Flasche zurück, wurde sie erneut mit größerem Drall in die Öffnung bugsiert und diese Methode beibehalten bis der Wagen leer war.

Die nächste Kundin übernahm die Methode dankbar, bis auch eine ihrer Flaschen verschmäht wurde. Sie versuchte es mehrfach mit unterschiedlichen Rotationsgeschwindigkeiten, bis ihr die Eingebung sagte, sie solle die Flasche in Gegenrichtung rotieren lassen. Mit Erfolg! Nun war klar, dass alle weiteren Flaschen als linksdrehende Projektile im Schlund der Maschine verschwanden.

Der nachfolgende Kunde hatte dies die ganze Zeit mit süffisantem Lächeln beobachtet. Als er an die Reihe kam, verstand ich warum. Er war offensichtlich ein erfahrener Leergutentsorger, der nun mit einer ausgereiften Methode und wissendem Lächeln an den Automat trat.
Bei jeder Flasche drehte er den Deckel zunächst locker und wieder fest, bevor sie in der Öffnung verschwand. Wurde eine Flasche abgewiesen, wiederholte sich dies. In einem besonders hartnäckigen Fall öffnete er die Flasche drückte sie zusammen und blies sie wieder auf, um sie erneut zu verschrauben. Zufrieden mit sich und der Welt verließ er später das Geschäft.

Ich schob meine Flaschen ohne Schwung oder Drall und völlig unaufgeblasen oder auf sonstige Weise vorbehandelt in den Automaten – mit dem Barcode nach oben, denn dort befand sich der Barcodeleser …