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Junge, nun komm‘ mal in die Puschen!

Er steht lässig an den Getränkeautomat am Bahnsteig gelehnt.
Sie steht vor ihm, eine Reisetasche zu ihren Füßen, und redet fröhlich lachend mit ihm.
Hin und wieder scheint er für einen Moment seinen Mund zu bewegen, um eine kurze Antwort zu geben.

„Vorsicht, Reisende auf Gleis 1! Es hat Einfahrt der Inter Regio Express nach Stuttgart,  über …“
Sie geht auf in zu, umfasst sein Gesicht mit ihren Händen und küsst ihn zärtlich.

Er steht unverändert und lässt seine Arme cool von seinen schlappen Schultern hängen.

Hätte ich etwas zu werfen, bewegte es sich jetzt wohl schon in einer fast perfekten Parabel in Richtung seines Kopfes.

Ich rufe innerlich: „Hey Du Rotzbengel, jetzt beweg Dich mal und zeige es, falls Dir etwas an ihr liegt!“

Wie als Reaktion auf meinen Ruf, geht sie einen Schritt zurück. Schaut ihn ruhig aber ernst an, nimmt mit ihrer Linken seine Hand, legt sie sich auf den Po. Mit der rechten packt sie ihn am Kragen und zieht ihn zu sich heran. Als er aufrecht steht lässt sie ihn los und langsam schleicht sich wieder ein Lächeln in Ihr jugendliches Gesicht.

Ist das ein Erwachen, was ich endlich in seinen Zügen wahrnehme? Er zieht sie an sich, umarmt sie einen unendlichen Augenblick, nimmt dann den Kopf etwas zurück, um ihr in die Augen zu sehen, beginnt zu lächeln und küsst sie leidenschaftlich.

Na also, geht doch …

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Was kostet die Welt?

05:40 Uhr, Regen. Na und?
Da spar ich mir schon das Haargel. Gut, das spare ich mir sonst auch, aber dann komme ich auch nicht mit einer solch frechen Frisur zum Bäcker, bei dem ich mir morgens mein Croissant hole.

„Guten Morgen Herr G.“ lächelt die Verkäuferin „Einen großen Kaffee?“
„Nein danke, heute nur einen kleinen.“
„Sind Sie im Stress?“
Ich lache: „Nein, von dieser Firma lasse ich mich nicht mehr stressen. Morgen ist mein letzter Arbeitstag.“
Sie ist überrascht: „Ja wo arbeiten Sie dann?“
„Ab Juni bin ich bei einer Firma bei Stuttgart!“
„Ach, Sie ziehen weg? Das ist ja schade!“

Tut das gut?
Und ob das gut tut!

Ein Kollege: „Und morgen ist wirklich Dein letzter Arbeitstag?“
„Ja! Das ist ein gutes Gefühl!“ 🙂
„Willst Du nicht noch ein bisschen bleiben? Das darf doch nicht wahr sein, dass der beste Mann geht!“
Ich denke: „Du hast keinen Schimmer.“
und sage: „In diesem Laden gehen immer die Besten zuerst!“
Er lacht und nickt wissend: „Dann wird’s für mich auch höchste Zeit!“

Eine Kollegin: „Ach C., komm lass Dich nochmal drücken! Wir werden Dich echt vermissen.“
„Habt Ihr Euch verabredet, es mir auf die letzten Tage nochmal richtig schwer zu machen, Abschied zu nehmen?“
Sie lächelt verschmitzt: „Kann ich das?“

Dumme Frage! Natürlich kann sie das! Meine Kollegen werde ich vermissen. Die Firma nicht.
Acht Jahre sind genug!

Wo sind die Bäume zum Ausreißen?