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Ich verliebe mich nicht mehr

„Ich verliebe mich nicht mehr.“
„Hm?“
„Spreche ich undeutlich? ich sagte, ich verliebe mich nicht mehr.“
„Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“
„Hoho, Herr Oberschlau zitiert Faust. ich bin beeindruckt.“
„Du lenkst ab. Wie bist Du zu diesem Entschluss gekommen?“
„Damit fängt man sich nur Probleme ein. Aus jeder meiner Handvoll Beziehungen habe ich Narben.“
„Na und? Du zeigst Deine Narben doch auch sonst gerne stolz her!“
„Aber nicht die, die ich mir durch Dummheit zugezogen habe.“
„Sich zu verlieben ist Dummheit?“
„Ja.“
„Wenn Du meinst … Aber auch schön. Wenn Du verliebt bist, kann es Dir doch gleich sein, was die anderen von Dir denken. Das kann Dir eigentlich immer egal sein.“
„Ein schlauer Spruch von Mister Obercool! Du kannst gut reden. Wenn ich in meiner Verliebtheit den Verstand in der Garderobe abgegeben habe, bist Du schon über alle Berge.“
„Eben, Du hast ihn abgegeben. Man hat ihn Dir nicht genommen! In Wahrheit gefällt es Dir doch die Kontrolle abzugeben und Dich in dieses Gefühl hineinfallen zu lassen.“
„Und Du genießt es zuzusehen, wie ich mich zum Trottel mache.“
„Ich bin im Hintergrund und genieße, dass die Abgeklärtheit und Coolness mal Urlaub hat.“
„Dein Urlaub interessiert mich einen Dreck!“
„Stimmt, es ist auch erfüllend genug, abends alleine vor dem Fernseher zu sitzen, morgens alleine zu frühstücken und sich mit dem Spiegel zu unterhalten.“
„Du kannst Dir Deinen Sarkasmus sparen! Ich werde mich nicht mehr verlieben.“
„Ich kann es abwarten.“

Nicht wie sein Vater

Er wollte niemals werden wie sein Vater.

Jahrzehnte später war er noch immer kein kettenrauchender Alkoholiker, hatte seine Frau und seinen Sohn nicht verprügelt und hatte sich nicht mit Gott und der Welt vor deutschen Gerichten gezankt.

Hatte er’s geschafft?

Gut, er war jetzt auch geschieden, wie sein Vater, aber die Scheidung ging schnell und fair über die Bühne, schon wegen des Sohnes, und er konnte ruhig und sachlich mit seiner Ex-Frau sprechen.

Wenn er tief in sich nach einer ehrlichen Antwort suchte, war sein Erfolg noch lange nicht in trockenen Tüchern. Nein, zum Alkoholiker, Schläger und Streithammel würde er wohl nicht mehr werden, aber es fiel ihm immer noch schwer, stolz auf seinen Sohn zu sein.
Erst heute morgen war ihm aufgefallen, dass sein erstes Wort an seinen Sohn eine Kritik war. Nicht laut, nicht böse, aber eine Kritik. Warum kam ein Lob nicht ebenso selbstverständlich über seine Lippen?

Hatte er es in seinen Beziehungen ebenso gemacht?

Seine Ex war ihm immer wieder auf den Geist gegangen mit: „Nie lobst Du mein Essen!“
Warum sollte er? Wegen Maggi Fix oder Knorr Spaghetteria?
Wenn sie zu Besuch bei ihren Eltern waren lobte sein Schwiegervater das Éssen seiner Frau im Übermaß – schon bevor er den ersten Bissen im Mund hatte. Was war so ein Lob wert?
Aber leider musste er zugeben, dass schon ein Quentchen Wahrheit dabei war – und dieses Quentchen schmerzte ihn.
Aber sich beim nächsten Mal zu einem Lob zwingen, nur damit es gesagt ist – selbst wenn es ehrlich gemeint war?

„Nie schenkst Du mir Blumen!“
‚Nie‘ stimmte nicht, aber im Prinzip hatte sie Recht. Er hatte sich vorgenommen etwas daran zu ändern, schließlich liebte er sie noch, aber oft dachte er zu falschen Zeiten daran. Wo bekommt man am Mittwoch abend um 19 Uhr Blumen? Oder am Sonntag nachmittag?
Als er es dann geschafft hatte, ihr über zwei oder drei Monate jede Woche einen Strauß mitzubringen, warf sie ihm in einem Streit vor, das habe er wieder einmal ja nur gemacht, weil sie es ihm gesagt habe. Gut keine Blumen mehr.

Warum war es so schwer, sich aus dem Fahrwasser des Vaters zu lösen?
Würde er es jemals wirklich schaffen?

Je ne regrette rien

Ich habe in meinemLeben viele Dinge getan, die sich im Nachhinein als „überflüssig“ oder als „Dummheit“ erwiesen haben.

  • Nach meiner Schulausbildung habe ich nicht studiert,
    sondern einen Beruf erlernt. Studiert habe ich dann zehn Jahre später.
  • Ich habe eine Frau geheiratet, von der ich mich nach
    17 Jahren Beziehung und nach Jahren der Streiterei habe scheiden lassen.
    (Das war allerdings nicht nur meine Dummheit. Schließlich hat sie auch mich geheiratet)
  • Ich habe 2001 bei einer Firma begonnen zu arbeiten, mit deren Chef ich so wenig klar kam, dass ich Ende letzten
    Jahres für acht Wochen eine psychosomatische Klinik
    aufsuchen musste.

Aber der Satz: „Hätte ich doch nur …“ kommt nicht über meine Lippen.
Nicht aus Trotz, sondern aus Einsicht. Aus allem, aus jedem Schmerz, aus jeder gescheiterten Beziehung,
habe ich etwas gelernt.

Ich bereue nichts.

Was ich aus dem Gelernten mache, steht auf einem anderen Blatt …