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Muss ich wirklich alles wissen?

Meist behaupte ich „Ja!

Alles, das mich betrifft.

Oft suche ich nach einer Antwort, einer neuen Information, einer Gewissheit …

… und manchmal
schießt mir plötzlich ein Messer in die Eingeweide
und das Blut in den Kopf,
meine Ohren werden heiß,
mein Atem geht schneller
und ich spüre mein Herz heftig schlagen.

Dann frage ich mich:
Musste ich diese Frage stellen?
Musste ich diesen Brief lesen?
Musste ich bei diesem Gespräch zuhören?
Hätte ich meine Neugier nicht besser gezügelt?

Morgen werde ich wieder alles wissen wollen, egal wie sehr es schmerzt.

Bedeutende Kleinigkeiten

Was möchte man vom anderen wissen?
Und wie erfährt man es?

Wenn zwei sich kennen lernen, fragen sie sich zunächst nach Eckdaten.

Beispiele:

  • Name
  • Alter
  • Beruf
  • Familienstand
  • Anzahl Kinder

Klassifikation: Wenige kurze Fragen – wenige kurze Antworten.
Gültigkeit: Langfristig bis dauerhaft
Wichtigkeit: Sehr wichtig! (Sogar Behörden interessieren sich dafür.)
Verwendung: z.B. zur Identifikation.
Beschaffung: einmalig, einfach, schnell (z.B. per SMS)

Dann kennt man sich irgendwann besser und interessiert sich für das Leben des anderen.

Beispiele:

  • Was hast Du geträumt?
  • Was hast Du erlebt?
  • Was hast Du gewünscht?
  • Was hast Du erhalten?

Klassifikation: Wenige kurze Fragen – wenige lange Antworten.
Gültigkeit: langfristig
Wichtigkeit: Weniger wichtig. (Sonst würden sich die Behörden dafür interessieren.)
Verwendung: z.B. Einschätzung der Persönlichkeit
Beschaffung: selten, einfach, etwas langwieriger. (z.B. gelegentliche Emails)

Und schließlich möchte man am Leben des anderen Teil haben:

Beispiele:

  • Wie geht es Dir?
  • Wie siehst Du heute aus?
  • Worüber hast Du Dich heute gefreut?
  • Über wen hast Du Dich heute geärgert?
  • Was hast Du heute Abend vor?

Klassifikation: Wenige kurze Fragen – viele lange Antworten.
Gültigkeit: sehr kurzfristig
Wichtigkeit: Unwichtig. (spätestens Morgen schon nicht mehr aktuell).
Verwendung: Kein wirklicher Nutzen.
Beschaffung: sehr häufig, schwierig, sehr zeitaufwändig. (Nur sinnvoll per Telefon, besser Skype oder persönliches Gespräch, am besten jedoch durch dauernde Anwesenheit)

Warum also schmerzt es mich also, dass mir diese „unwichtigen“ Informationen über sie fehlen?

Wieso möchte ich immer neue „Banalitäten“ von ihr hören?

Wieso möchte ich morgens wissen, wie sie geschlafen hat, obwohl das mittags kaum mehr eine Bedeutung hat?

Wieso will ich alles in mich aufsaugen, was es über sie zu „wissen“ gibt?

Dabei möchte ich sie nicht kennen, ich möchte sie nur kennen lernen!

Immer aufs Neue!