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Ebbe

Das Wasser scheint lebendig zu werden. Wie Myriaden kleiner Krebse auf unzähligen Beinchen strebt es in alle Richtungen davon. Flüchtet.

Das Boot, das zuvor noch als sicherer Platz und feste Hoffnung erschien, wird erschüttert als sein Kiel sich in den schlammigen Grund bohrt und es kommt mit einem Ruck zum Stillstand. Langsam kippt es zur Seite.

Kleine, braune Inseln tauchen an der Oberfläche auf und wachsen umsichgreifend bis sie sich berühren und miteinander zu einer einzigen öden Fläche verschmelzen.

Das Ziel am Horizont verschwimmt mit dem Watt.

Die Orientierung hat sich klammheimlich davon geschlichen, während der Zweifel und die Angst schmatzend und blubbernd aus der glitschigen Substanz kriecht, die das Boot umgibt.

Freundschaft mit mir selbst!

Menschen, die mir wichtig sind, sagen mir ich sei wertvoll.
Sie sind mir wichtig, weil sie authentisch und ehrlich sind.
Ich schätze ihre Meinung und nehme sie ernst.
Nur in einem Punkt fällt es mir schwer, ihre Aussagen anzunehmen.
Wenn Sie mir sagen, ich sei

  • etwas besonderes (ist ja jeder irgendwie)
  • wertvoll (na ja …)
  • gutaussehend (das ist relativ)
  • ein toller Mann (puh, jetzt wird es echt peinlich)
  • sensibel (stimmt, das spüre ich gerade, aber …)

fange ich an zu zweifeln.

Andererseits kenne ich es auch, dass Menschen sich abwerten, obwohl m. E. absolut kein Grund dazu besteht.
Alle Überzeugungsversuche meinerseits, sie seien zu streng mit sich, verpuffen annähernd wirkungslos.

An dieser Stelle beginne ich nachzudenken.

  • Kann ich nicht wenigstens denen, die mich in einem Punkt kritisieren, glauben, dass sie mir mit einem Kompliment an anderer Stelle keinen Honig ums Maul schmieren möchten?
  • Kann ich nicht wenigstens in Erwägung ziehen, dass auch andere sich ein realistisches – wenn auch subjektives – Bild von mir machen können?
  • Kann ich nicht wenigstens versuchen, mir mit ähnlich viel Offenheit und Wohlwollen zu begegnen, wie vielen anderen Menschen?

Ich versuche also wieder, mich mit mir anzufreunden.
Ich möchte, dass meine Freundschaft zu anderen, keine Abwertung meiner Selbst ist, sondern die Wertschätzung des anderen.
Ich bemühe mich, positive Rückmeldungen anzunehmen, dreimal tief durchzuatmen, ohne diese zu hinterfragen, dreimal tief durchzuatmen, während ich lerne das Gehörte ernst zu nehmen, dreimal tief durchzuatmen und die Komplimente zu genießen, so wie ich wünsche, dass mein Gegenüber meine ehrlichen Komplimente ernst nimmt und genießt.

Das wenigste, das ich daraus ziehen kann, ist frischer Sauerstoff fürs Gehirn 😀

So verkehrt bin ich eigentlich garnicht.
Klar, ein paar Macken aber doch echt nett.
Eigentlich ein helles Köpfchen.

Vielleicht gehe ich mal, mit mir einen trinken …

/* edit */

ach ja, und wenn SIE mich liebt, muss etwas dran sein.
Ich bin ein toller Mann (zumindest fühle ich mich schon so 😀 )

Zweifel

Schwarze Spinnfäden schweben vor dem Auge. Ungeduldig wische ich sie beiseite. Sie fesseln meine Hände, wickeln sich um meinen Kopf, verdunkeln die Sonne und nehmen mir den Atem.

Angst steigt in mir auf.
Angst und Entschlossenheit.

Nein!
Nicht mit mir!
Nicht ohne Gegenwehr!

Heftig streife ich die Schatten ab.
Tief durchatmen.

Harte Realität

Ganz bestimmt!
Ich weiß es sicher, denn ich habe es genau gesehen.
Mit eigenen Augen!
Es hat nichts zu bedeuten, dass das Bild jetzt in bunte Scherben zerfällt, in Staub, den der Wind wegträgt.
Ich hatte es in der Hand.
Ich habe es gefühlt!
Es floss mir durch die Finger.
Noch bevor es auf den Boden tropfen konnte, hatte es sich verflüchtigt, aber das macht es nicht weniger real.
Ich kann mich genau erinnern!
Auch wenn es sich jetzt wie ein Traum anfühlt.
Ein alter Traum.
Verschwommene Bruchstücke eines alten Traumes.
Ich bin mir sicher! Du glaubst mir, oder?
Also, ich bin mir eigentlich ziemlich sicher.
Ehrlich!
Ich war überzeugt, es gesehen zu haben.
Ich hatte etwas in der Hand.
Bestimmt.
Sonst hätte ich mich doch nicht an etwas erinnern können, oder?
Irgendetwas war da – glaube ich.
Vielleicht war das auch an einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit, aber da war etwas.
Ich bin überzeugt, da war etwas!
Ich bin sicher, ich war einmal.
Irgendjemand muss einmal sicher gewesen sein.
Ganz bestimmt!